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Kulturprojekte an Schulen?

Kunst agiert an den Grenzen der Lebenswelt und erlaubt Verständigung dort, wo die Alltagssprache versagt.

 

Kunst erlaubt sich, festgefahrene Wege zu verlassen und sich aufs Glatteis oder in unwegsame Gebiete zu begeben, um von dort aus die Welt oder Aspekte der Welt zu reflektieren. Deshalb ist es wichtig, Kunst in die Lebenswelt zu integrieren, um Erfahrungen mit ihr und durch sie zu ermöglichen.

Diese Erfahrungen haben einen Wert! Der ist zwar nicht direkt und unmittelbar messbar. Es ist aber möglich mit ästhetischen Erfahrungen – und die Ästhetik ist der Begriff für die Theorie und die Praxis der sinnlichen Wahrnehmung – Sichtweisen zu verändern, den Blickwinkel zu weiten, das Menschen – und das Weltbild zu diversifizieren und zu bereichern.

 

Ausserdem kann die Erfahrung mit Kunst dazu beitragen, in einer Welt der zunehmenden Verunsicherung ein Gefühl für die Rückeroberung (s)eines Standorts innerhalb einer Gesellschaft zu entwickeln, sich diesen Standort individuell anzueignen, sich zu verorten. Das heisst nicht automatisch, dass man alles schön und gut heissen muss. Auch die Ablehnung, wenn sie nicht a priori geschieht, sondern nach einer gemachten Erfahrung, ist ein Teil dieses Prozesses. Ästhetische Erfahrung ist somit ein entscheidender Beitrag zur Handlungsfähigkeit und Partizipation innerhalb einer sich stetig wandelnden Gesellschaft. Demnach ist die Ermöglichung von verschiedenen Erfahrungen durch Kunst- und Kulturprojekte ein wichtiger Bestandteil in einer SchülerInnenlaufbahn und gehört damit in den Bereich einer Pädagogik der Vielfalt.

 

Kulturarbeit kann also zwischen den Rändern und der breiten Gemeinschaft Verbindung, Verständnis und Zusammenarbeit ermöglichen. Sie übernimmt eine Brückenfunktion. Deshalb spricht man heute eher von Transkulturalität als von Multikulturalität. Während Multikulturalität das Nebeneinander von verschiedenen Kulturen beschreibt, ohne dass sich diese berühren oder beeinflussen müssten, geht das Konzept der Transkultur von Vernetzung, Durchdringung und Überwindung von verschiedenen Kulturen aus. Kultur wird nicht als etwas Abgeschlossenes und Abgegrenztes verstanden, sondern ist ein ständiger Prozess von Neben-, Mit oder auch Gegeneinander, der von allen Menschen innerhalb einer Gesellschaft gestaltet wird. Hier setzt die interkulturelle Kulturarbeit, so wie wir sie verstehen, an.

 

Während unsere Gesellschaften von einer zunehmend ökonomisierten Globalisierung geprägt werden und gleichzeitig eine Tendenz zu sozialer Ausgrenzung und kulturellen Zuschreibungen aufweisen, wollen wir dem neuen (Miss)Verständnis von Integration als Assimilation interkulturelle Begegnungsprojekte entgegenstellen und damit Räume für Austausch und Dialog schaffen. Musik, Theater, Tanz und Erzählungen sind geeignete Medien, um den Blick für andere kulturelle Traditionen und Ausdrucksweisen zu öffnen. Künstler und Künstlerinnen aus dem Süden und Osten ermöglichen in ihren Workshops sinnliche Zugänge zu ihren Kulturen. Sie übernehmen die schon erwähnte Brückenfunktion und tun dies in der Regel aus einem grossen Selbstverständnis heraus. Sie vermitteln Aspekte ihrer Kultur nicht indem sie darüber reden, sondern indem sie daran teilhaben lassen. Nicht Wissen zu vermitteln steht im Vordergrund, sondern Erfahrungen zu ermöglichen und damit zu einem Perspektivenwechsel beizutragen. Die kreative Auseinandersetzung mit den Wertvorstellungen und Lebenszusammenhängen von Menschen aus anderen Kulturen fördert die gegenseitige Offenheit, Achtung und Respekt und kann dazu beitragen, für die komplexen Inhalte der weltweiten Zusammenhänge zu sensibilisieren. Im Zentrum steht immer die direkte Begegnung welche neben der Vermittlung von künstlerischen Inhalten auch das Gespräch ermöglichen soll.

 

artlink vermittelt und begleitet Kulturworkshops von KünstlerInnen aus dem Süden und Osten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Schulen, Vereinen und Kirchgemeinden. Zu spezifischen gesellschafts- oder entwicklungspolitischen Themen wie interkulturelle Konflikte und Begegnung, Identität, Heimat, Integration, Migration etc. erarbeiten wir zusammen mit geeigneten KünstlerInnen eigene Workshopangebote. Diese können auch auf Bedürfnisse von Partnerinstitutionen abgestimmt oder eigens für sie entwickelt werden.

 

Dagmar Kopše,  Mai 2007

 

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