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Besprechungen
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01/2017

Doctor King'esi

Rafiki (2016)


[ma] Nun hat er es geschafft: auf seiner neusten – immerhin schon neunten – CD hat der in Thun lebende kenianische Sänger Doctor King’esi eine ganze Band um sich geschart: Tony Schiavano am Bass, Samuel Baur hinter dem Schlagzeug und als Gastmusiker Lucien Dubuis, welcher Bassklarinette spielt. Der Sänger und Gitarrist ist seiner Tradition treu geblieben und singt 13 überwiegend selbst geschriebene Lieder zu Freundschaft, Liebe und Lebensweisheiten, wie er das seit vielen Jahren meist Solo und als Strassenmusiker macht. Den zurückhaltend für ein Quartett arrangierten Kompositionen erschliessen sich damit neue Klangräume und rhythmische Strukturen, welche Doctors klare Stimme und seine auf Suaheli vorgetragenen Geschichten gut zur Geltung bringen. Nach Auskunft des Sängers ist eine Plattentaufe in einem Berner Konzertlokal geplant. Da sind wir gespannt darauf und wünschen ihm auch danach weitere Konzerte mit der ganzen Band.

 

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12/2016

Julio D'Santiago Latin European Project

Deux Mondes (2016)


[ma] Latin-Jazz ist ein „Genre“ oder eine Etikette, welche es heute schwer hat auf dem Musikmarkt. Die guten Jazzclubs programmieren eher selten Acts unter diesem Label, ausser einige kubanische Grössen wie Omar Sosa, Roberto Fonseca oder die in der Schweiz lebende Yilian Cañizares. Und dann auch lieber als World Jazz oder Afrocubano. Der Venezolanische Drummer Julio D’Santiago nennt seine Gruppe „Latin European Project“ und drückt damit nicht nur aus, dass er seit längerem schon in Genf lebt. Auch musikalisch experimentiert die Gruppe mit europäischen Rhythmen, zum Beispiel mit Bulerias, bei welchen gar ein Flamencotänzer zum Einsatz kommt. Auf dem soeben als CD und Vinyl erschienen Album „Deux Mondes“ sind im Weiteren die beiden Kolumbianer Mauricio Salamanca (Saxofon) und Andrés Corredor (Gitarre) dabei. Letzter wurde 2014 an der renommierten Jazz-Guitar-Competition des Montreux Jazz Festivals mit den 2. Preis ausgezeichnet. Am Bass spielt der Kubaner Delmis Aguilera, das Piano ertönt unter den Händen des Genfers Mathieu Rossignelly. Entstanden ist ein energiegeladenes Album, welches fern von gängigen Clichés feine Musik auf hohem Niveau bietet.

 

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08/2016

Gabriela Bergallo

Cielo arriba (2016)


[ma] Die argentinische Sängerin Gabriela Bergallo ist vor allem durch ihre kraftvollen Interpretationen von anspruchsvollem Tango bekannt – und hier in der Schweiz meist in ihrem eigenen Theater in Embrach auf der Bühne. Noch in bester Erinnerung ist ihr Auftritt 2009 in der überzeugend inszenierten Operita von Astor Piazzolla „Maria de Buenos Aires“. In den letzten Jahren hat sie eine intensive Zusammenarbeit mit dem ausgezeichneten Pianisten, Arrangeur und Orchesterleiter Juan Esteban Cuacci begonnen, der vor Jahren schon von Buenos Aires nach Südspanien gezogen ist. Mit ihm und seiner Gruppe „La Maquina“ hat die Sängerin nun eine CD eingespielt – aber nicht mit Tangokompositionen, sondern ausschliesslich mit argentinischer Folklore. „Cielo arriba“ präsentiert Rhythmen wie die Zamba, die Chacarera. die Cueca und andere vom argentinischen Litoral. In den Arrangements wie auch der Stimme kommt aber auch hier die Spannung und Dramatik herüber, welche die Musik von Gabriela Bergallo üblicherweise prägt. Eine gelungene Interpretation von Liedern, die - wie der Tango - zum grossen Repertoire Argeniniens gehören, eingespielt von unzähligen Sänger und Sängerinnen, und gerade deshalb immer eine grosse Herausforderung.

 

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07/2016

Eka Kurniawan

Tigermann (Ostasien Verlag)

Neu im Anderen Literaturklub


Ein dörfliches Wohngebiet am Rand einer Kleinstadt an Javas Südküste: Jeder kennt jeden, Alteingesessene leben neben neu Zugezogenen, die einen recht gutgestellt, die anderen mühsam um Arbeit und ein Auskommen kämpfend. Die Erzählung beginnt mit der Nachricht von einem brutalen Mord. Margio, ein stiller Junge, zwanzig Jahre alt, hat seinen Nachbarn getötet, indem er ihm die Kehle durchgebissen hat. Was sind die Hintergründe der Tat?
Sprachlich präzise, dicht und mit ungewöhnlichen Metaphern lässt Eka Kurniawan Margios Welt entstehen. Der Roman bietet eine überzeugende soziale und psychologische Darstellung, wobei der Rekurs auf den Tigermythos ein magisches Element einflicht und mit dessen Grenzen spielt. Eka Kurniawan wurde 1975 in West-Java geboren. Sein Studium an der philosophischen Fakultät der Universität Gajah Mada in Yogyakarta schloss er mit einer Arbeit über den bekanntesten indonesischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ab, Pramoedya Ananta Toer. Kurniawan schreibt Romane, Kurzgeschichten, Essays, journalistische Kommentare und zeichnet Comics.


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05/2016

Basel Rajoub - Soriana Project

The Queen of Turquoise
Jazz Village (2016)


[ma] Wie hochprozentig dunkle Schokolade auf der Zunge zerfliessen die Melodien, welche Basel Rajoub mit der Flöte Duclar oder dem Saxophon spielt. Nachdenklich bewegen sich die Töne von Note zu Note, um dann unvermittelt davonzurennen, angetrieben durch filigrane Trommelschläge. Eine arabische Laute Oud oder Kastenzither Qanun mischen sich ein, markieren Tiefen, gesellen sich zu den Melodien oder setzten sich in eigene Richtungen ab. Gelegentlich ist es der delikate Gesang von Lynn Adib, der in den Vordergrund tritt und den Lead übernimmt. Emotionale Tiefe, grosse Virtuosität und Improvisationsfreude prägen das nun dritte Album des syrischen Musikers, welches er Ende Mai an Konzerten in mehreren Schweizer Städten getauft hat. „Asia“, das Vorgängeralbum von 2013, hat Basel Rajoub in Beirut aufgenommen und selbst produziert, „The Queen of Turquoise“ nun ist auf dem Harmonia-Mundi-Label „Jazz Village“ in Paris erschienen. Der Saxophonist lebt seit 2011 in Genf, Feras Chahrestan (Qanun), der schon auf „Asia“ zu hören ist, als syrischer Flüchtling in Stockholm – weshalb er in den letzten Jahren praktisch nicht mehr reisen konnte. Andrea Piccioni, der Perkussionist, wohnt in Rom, die Sängerin in Paris, und der Oud-Spieler Kenan Adnawi gar in Philadelphia. Diese heute schon typische Situation für syrische Künstler macht es nicht einfach, das Soriana Project auf Tournee zu bringen. Wenn es aber unterwegs ist: unbedingt hingehen. Ansonsten: CD hören. Da ist 100% Musik vom Feinsten drin.  

 

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04/2016

Aureliano Marin

Revolución Tango (2016)


[rh] Nicht selten begegneten wir MusikerInnen, die fernab ihrer Heimat auf Erwartungen treffen, wie sie zu tönen haben und die diese Klischees dann zu bedienen versuchen - obwohl ihr Herz für etwas anderes schlägt. Der seit kurzem in Neuenburg lebende argentinische Komponist und Sänger Aureliano Marin gehört nicht zu dieser Sparte. Auf seinem neuen Album „Revolución Tango“ ist der Respekt gegenüber dem sich im Wandel befindendem Genre hörbar. Doch die musikalischen Einflüsse und die Geschichten, die wir in seinen Liedern und Texten finden, stammen aus diesem Jahrtausend. Milonga- und Tangorhythmen treffen auf jazzige- und rockige Elemente, nachdenkliche Balladen („Cenizas del corazón“) auf wütende Protestsongs („J’en ai marre“). Sowohl traditionelle Instrumente wie das Bandoneon und die folkloristische Trommel Bombo Legüero als auch elektrische Gitarren und Schlagzeug finden in Marins Stücken ihren Platz.

Trotz stilistischer Vielfalt zwischen Tango und Latin Rock ist Aureliano Marin ein ausgewogenes Album gelungen, dem er durch seine rauhe und dunkle Stimme einen unverkennbaren Stempel aufdrückt. Sein Gesang lebt von der tangospezifischen Artikulation, die bei ihm jedoch nie ins Aufgeregte oder Kitschige abdriftet. Alles deutet darauf hin, dass dieser junge Mann seine eigene musikalische Sprache gefunden hat.

 

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03/2016

Lasst mich da raus

María Sonia Cristoff
Berenberg Verlag, 160 Seiten
Neu im Anderen Literaturklub


Mara, im früheren Leben Konferenzdolmetscherin, will endlich ihre Ruhe haben. Ein Jahr. Mindestens. Und so nimmt sie in einem obskuren Heimatkundemuseum in der argentinischen Provinz eine Stelle als Saalwächterin an. Dumm nur, dass sie so schnell befördert wird und einem geschwätzigen Tierpräparator zur Hand gehen muss. Soll das Schweigejahr nicht für die Katz sein, gilt es, drastischere Maßnahmen zu ergreifen – die zu allseitigem Erstaunen eine Art Happy End mit sich bringen (außer vielleicht für den Präparator). Elegant, witzig, klug und zutiefst radikal: ein kleiner, feiner Anarchistenroman!
María Sonia Cristoff wurde 1965 in Trelew, Patagonien, geboren und studierte Literatur in Buenos Aires, wo sie auch heute lebt. Ihre Beiträge erscheinen in verschiedenen argentinischen Zeitungen und literarischen Magazinen, und sie unterrichtet Patagonische Literatur sowie Kreatives Schreiben. Reisen und die Beschäftigung mit nicht fiktionaler Literatur sind zentrale Elemente ihrer Arbeit als Schriftstellerin. Neben Reportagen hat sie mehrere Romane veröffentlicht.


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11/2015

Elina Duni Quartet

Dallëndyshe

(ECM 2015)


[jk] Die schweizerisch-albanische Sängerin Elina Duni hat tief nach den Wurzeln ihrer ehemaligen Balkan-Heimat gegraben. Dabei ging sie nicht immer weit in die Vergangenheit. Der Opener von «Dallëndyshe» nimmt beispielsweise eine Melodie des Poeten Muharrem Gurra auf, der in den Zeiten der kommunistischen Diktatur in Albanien zu den bekanntesten Sängern gehörte. Aber es sind die "alten" Melodien aus dem traditionellen Schatzkästchen, welche den Hauptteil des Repertoires ausmachen. Elina Duni bringt das Kunststück fertig, diese Melodien und die jazzige Modulation zusammen zu bringen, dass weder sie, noch die Melodie sich verbiegen müssen. Ihr langjähriger Begleiter Colin Vallon spürt am Piano immer profunder in die Melodien hinein. Sprudelnde Soli gibt's höchstens noch in der Live-Situation. Für Norbert Pfammatter ist das Schlagzeug mehr perkussives Schicht-Instrument als Schlagwerk, und Bassist Patrice Moret legt die tiefen Töne mit der Zuverlässigkeit und Ruhe eines Flusses. Zusammen: Ein Verjüngungsbad für alte Melodien.

 

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11/2015

Kara Sylla Ka & Jahfandu Band

Monkote Afrobeat Vol. 1
(Modern Nomad 2015)


[jk] Kara Sylla Ka kommt aus der Folk-Welt. Der Tänzer und Musiker hat sich in den letzten Jahren als Songschreiber ein klares Profil, und bei Konzertbesuchern einen guten Namen geschaffen. Auch dank seiner Fähigkeit Melodien zu kreieren, die in den Gehörgängen haften bleiben. Neu hat er mit der Jahfandu Band eine Truppe um sich geschart, die ihn auch in den Afrobeat hinein begleitet. Wer Sylla Ka und seine Truppe in den letzten Monaten live auf der Bühne gesehen hat – z.B. am 30. Geburtstag von Artlink – erhält mit dieser EP mit 4 Titeln den Beleg für den musikalischen Aufbruch. Die Balladen und sanfteren Melodien hat der Senegalese mit Genfer Wohnsitz nicht einfach weggelegt, aber die Rhythmen werden akzentuierter, gehen vermehrt in die Tanzbeine. Man wünschte sich sogar, dass die Band noch etwas beherzter und kräftiger in die Arrangements eingreift – etwas schärfere Bläser, ein paar zusätzliche Spritzer rhythmisches Tabasco würden die neuen Songs noch eine Spur schmackhafter machen.

 

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08/2015

Palenque la Papayera

Ramón en Palenque (2015)


[ma] Die Gruppe ist in der Genferseeregion bekannt für ausgelassene Tanzfeste: Palenque la Papayera ist ein neunköpfiges Blasorchester mit Sängerin und pflegt die traditionelle Musik der „Papayera“ von der kolumbianischen Karibikküste. Cumbia, Porro und Fandango sind die wichtigsten Rhythmen dieser Musik, deren Klangbild und auch deren Wirkung auf das Publikum gewisse Ähnlichkeit mit den Blasorchestern aus Ost- und Süosteuropa aufweist. Die Mehrheit der Musiker von Palenque stammt aus Kolumbien und ist in der Schweiz im Jazz oder in der Klassik tätig, entsprechend gepflegt ist ihre Spielweise. Für die zweite CD hat die 2005 gegründete Gruppe den in Kolumbien bestens bekannte Euphonium-Virtuose Ramón Benitez nach Genf ins Studio gebracht und gemeinsam 13 Titel eingespielt, darunter auch Kompositionen von Gruppenmitgliedern und von Ramón Benitez. Blasinstrumente, Trommel, Becken und Stimme verschränken sich in manchmal höchst komplexen Rhythmen und Melodieläufen, die aber immer derart quirlig daherkommen, dass es beim Zuhören schwierig ist, die Beine ruhig zu halten.

 

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07/2015

ab3ad

Ancient Love


[ma] Nachdenklich beginnen die Stücke auf der ersten CD des ägyptischen Sängers und Oud-Spielers Wael Sami Elkholy, welche er in der Schweiz mit dem Trio ab3ad eingespielt hat. Mit dabei sind der Perkussionist Titus Bellwald und Björn Meyer am Bass, welche über die Takte hinweg zusammen mit der Oud ein dichtes Netz von Melodie und Rhythmus knüpfen. Darüber schwebt Waels Stimme wie ein traumwandlerischer Hochseiltänzer, bewegt sich mit viel Gefühl und präziser Melismatik von Silbe zu Silbe und klettert gerne in eindrückliche Höhen. So jugendlich der Gesang und Waels Persönlichkeit auch wirken, der knapp 40-jährige Musiker aus Kairo blickt auf ein überraschendes Spektrum an künstlerischer Erfahrung zurück: Einige Jahre Popsänger, mit allem, was für ägyptisches Publikum dazugehört, Interpret von klassischer und volkstümlicher arabischer Musik, ein Masterabschluss in Komposition und ein weiterer in Theatermusik an der Hochschule der Künste in Bern. Wael ist stolz auf diese breite Palette von Arbeitsfeldern. Dass die CD mit dem Trio ab3ad „Alte Liebe“ heisst, hat mit all diesen und vielen anderen Lebenswelten zu tun, und auch mit dem gleichnamigen Gedicht von Pedro Lenz, welches Wael zum Abschluss des Albums auf Deutsch singt. Ein wahrlich nachdenklicher Text.

 

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05/2015

The Swiss-Mongolian Orchestra

Agula
feat. Arga Bileg Ethno Jazz Band
and Heiri Känzig Quintet
(Musiques Suisses 2015)


[jk] In einem Video von Arga Bileg liefern sich mongolische Reiter und modernste Geländewagen ein Rennen: Das darf auch als Rahmen-Bild für dieser Co-Produktion gewählt werden. Würde man lediglich die Herkünfte der beiden involvierten Orchester nennen – Heiri Känzigs Quintet aus der Schweiz, Arga Bileg aus der Mongolei – wäre die erste Assoziation wohl «exotische Fusion». Das stimmt so überhaupt nicht. Der Tummelplatz von beiden Formationen ist ein internationaler und heisst Jazz. Die Mongolen spielen ihn auf Pferdekopfgeigen, Piano und Zither, Känzig bringt seinen Steh-Bass mit und lässt Akkordeon und Flügelhorn mitspielen. Die Perkussion wird zwei-kulturig bespielt.

 

Da wachsen Grooves, wie man sie aus den besten Weather Report-Zeiten noch im Ohr hat, ein paar Melodien sind in der Nachbarschaft von brasilianischen Fusion-Musikern aufgewachsen. Es sind ausgeschriebene Kompositionen. Nur so ist zu verstehen, wie Stimme und Geige vollkommen unisono die abenteuerlichsten Tonsprünge wagen. In den Soli geniessen die Instrumente etwas Auslauf, aber sie halten sich eng an die Grundstrukturen. Als einzig wirklich exotisch klingendes Instrument lässt die Zither Yatga mehrmals aufhorchen, schreckt nicht von Mikro-Tonalitäten zurück und bietet gleichzeitig immer wieder dem Piano die harmonische Stirn.

 

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03/2015

Yilian Cañizares

Invocación
(Naïve 2015)


[ma] Ein sehr persönliches Werk ist es geworden, das neuste Album der kubanischen Musiker Yilian Cañizares. Eine Hommage an die Menschen, welche die Sängerin und Geigerin auf ihrem bisherigen Lebensweg geprägt haben: ihr Grossvater, die Mutter, kürzlich verstorbene Musiker aus Kuba und Venezuela, Edith Piaf… Doch musikalisch sei keineswegs rückwärtsgewandte Musik daraus entstanden, schreibt Yilian Cañizares im Booklet. Und diesbezüglich ist ihr absolut Recht zu geben. Auch wenn sie „Non, je ne regrette rien“ singt, tut sie das auf ihre höchst aktuelle und eigenwillige Art. In ihrem seit 2009 bereits vierten Album, das zweite auf dem französischen Label „Naïve“, zeigt sie sich sowohl als ausdrucksstarke Sängerin und auch als virtuose Geigerin auf höchstem Niveau, in perfekter Interaktion mit ihren langjährigen Weggefährten David Brito am Bass, Cyrill Regamey am Schlagzeug und dem Pianisten Daniel Stawinski, der 2013 zur Gruppe gestossen ist. Seien es schwermütige Balladen oder verzwickte afrokubanische Rhythmen in hohem Tempo, die vier wissen, wie daraus gute Musik entsteht. Nach der albanischen Sängerin Elina Duni ist Yilian Cañizares die zweite Künstlerin aus dem Umfeld von artlink, welche in den Genuss der prioritären Jazz-Förderung der Pro Helvetia gekommen ist!

 

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01/2015

Amagong

Amagong (2013)


[jk] Die Freundschaft zwischen Sibiri Dougoutigui Diabaté und Martin Müller ist so lang wie der effektive Name der Truppe: "Association Mélomane des Amis du Grand Orchestre National de Gondwana". Das mag erstaunen, da ein Cello und ein Balafon nicht unbedingt auf Anhieb Freundschaft schliessen. Müller und sein Cello reisten vor zwanzig Jahren durch Westafrika. In Burkina Faso trafen sie auf Sibiri Diabaté, der die Klanghölzer seines Balafons auf die uns Westlern geläufige chromatische Klangstruktur umgebaut hatte. Das erste Projekt, G.O.N.G., segelte unter dem Label Afro-Fusion, erlebte zwei Tonträger-Produktionen und einige Konzerttouren. Nun, rund 10 Jahre später, erhält die Freundschaft neue Songs.

 

Das Cello hat eine fünfte Saite erhalten, benimmt sich wie ein junger Bass und springt quicklebendig durch die Rhythmen. Diabaté ist sowohl Meister der Klanghölzer wie auch der Stimmbänder. Gitarrist Hassan Dembélé bringt eine Portion Gitarrenjazz der amerikanischen Art mit, und Perkussionist Willy Kotoun mischt mit Schlagzeuger Moise Quattara ein sprudelndes Rhythmus-Süppchen. Egal ob man sich schelmisch vor G.F. Händel verbeugt oder eine Mandingue-Melodie mit Alpengeruch anklingt: Die Produktion macht gute Laune.

 

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01/2015

Afrika im Gedicht

Herausgegeben von Al Imfeld
(Offizin 2015)


[cb] Rechtzeitig zu seinem achtzigsten Geburtstag ist es fertig geworden: Das grosse Wunschbuch von Al Imfeld: „Afrika im Gedicht“. Ein Wunderbuch ist es geworden, für das der Journalist, Erzähler und Dichter mehr als fünfhundert Gedichte aus vierzig Ländern, entstanden zwischen 1960 und 2014, zusammengetragen hat, die er mit kurzen Zwischentexten einfügt in seine eigene jahrzehntelange Verbundenheit mit Afrika. Viele Gedichte wurden Imfeld von den Autoren und Autorinnen zur Verfügung gestellt; sie werden sowohl im Original wie in deutscher Übersetzung präsentiert. Gedichte sind Begleiter und Brücken, schreibt Imfeld: „Es gibt den Bannstrahl und den Fluch, aber auch Erweckungsriten und Zukunftsbeschwörung (...) Aufmunterung zum Tanz mit der jetzigen Wirklichkeit.“

 


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12/2014

Der Andere Literaturklub

4 Bücher für 2015


Seit mehr als zwanzig Jahren existiert dieser Buchklub der besonderen Art: Rund 1400 Menschen in Deutschland und der Schweiz unterstützen mit einem Jahresbeitrag von 108 Franken Literatur aus Afrika, Lateinamerika und Asien in deutscher Übersetzung. Dafür erhalten Sie vier von einer qualifizierten Jury ausgewählte Romane sowie zwei Hefte der Zeitschrift „LiteraturNachrichten Afrika Asien Lateinamerika“, die im Frühjahr zur Messe in Leipzig und im Herbst zur Buchmesse Frankfurt erscheint und über literarische Tendenzen und Literaturpolitik informiert, Autorinnen und Autoren mit Texten und Gesprächen vorstellt und neue Bücher rezensiert. Folgende vier Bücher sind 2015 im Programm des Anderen Literaturklubs: Madeleine Thien, Kanada: „Flüchtige Seelen", Lola Shoneyin, Nigeria: „Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi", Gary Victor, Haiti: „Schweinezeiten" und Lee Sung-U: „Das verborgene Leben der Pflanzen".

Die Mitgliedschaft im Buchklub ist auch ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Weiter Informationen dazu und zu den neuen Büchern finden Sie hier.


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10/2014

The Faranas
& Baba Salah

Run Run
(Everestrecords 2014)


[jk] Diese Produktion ist die Folge eines Zufalls mit anschliessend wachsender Freundschaft. Der Zufall: Während ihres Aufenthalts am Festival Jazz à Ouaga in Burkina Faso trafen die Berner Afrobeat-, Jazz- und Funk-Musiker 2012 auf den Gitarristen Baba Salah Cissé. Dieser ist nicht nur wegen seiner Zusammenarbeit mit Oumou Sangaré, der «Nachtigall» aus Mali, in Westafrika ein gefeierter Gitarrist. Aus den Jams in Westafrika wurde eine Einladung nach Bern. Die Arbeit der Band mit Baba Salah rund um das Buskers-Festival 2013 legte den Boden für diese Produktion.

 

Die Berner wollen keinen puren Afrobeat spielen. Sie sind keine Kopisten, sondern eignen sich die Rhythmen und Grooves an, mischen grosszügige Portionen Jazz und Funk dazu. Bereits Frontmann Mory Samb aus dem Senegal bringt afrikanische Roots-Anbindung. Der Gitarrist und Sänger Baba Salah bringt das Ganze zum tanzen. Hier trifft Mandingo Schmelz auf Präzision. Während die Band oberscharf auf den Punkt spielt kann Salah es sich erlauben, mal etwas hinter dem Beat seine Soli zu spielen, oder mit seinen perlenden Licks vorwärts zu drängen. Auf keinen Fall die Release-Tour verpassen, die Band garantiert eine heisse Party – siehe Agenda!

 

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09/2014

Marcela Arroyo / Julio Azcano

New Tango Songbook
(Solo Musica 2014)


[jk] Diese Aufnahme ist eine Entdeckung für alle, die Tango ausschliesslich mit dem Bandoneon in Beziehung bringen. Und den grossen argentinischen Erneuerer des Tangos, Astor Piazzolla, nur über sein improvisierendes Spiel auf diesem Instrument kennen. Dabei vertonte er eine ganz Reihe von Gedichten berühmter Zeitgenossen wie Jorge Luis Borges oder Horacio Ferrer. Die Gitarre war ihm beim Komponieren eine grosse Inspiration.

 

Aus diesem Liederbuch stellten die Sängerin Marcela Arroyo und der Gitarrist Julio Azcano ihr New Tango Songbook zusammen. Sie tanzen in ihrer Interpretation konzentriert jedoch unangestrengt durch die Harmonien: hier zieht die Stimme die Gitarre, dort stemmt sie sich gegen die drängenden Arpeggien, dann wieder wickeln sich Melodie und Begleitung umeinander wie ein Seidenkleid um die Tänzerin. Sparsam eingesetzte Perkussion und ein paar Bandoneon-Tupfer kolorieren die Arrangements. Ausdruckskraft ist eine Lebensader des Tangos. Die beiden Interpreten verstehen es bestens, zwischen Kraft und Drang, zwischen Herz und Wucht ihr Spiel auszubalancieren, die emotionale Energie der Songs zu nutzen, aber nie überborden zu lassen. [Konzertdaten]

 

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09/2014

Art of Change

Dokumentation des Forums zum Abschluss des  Swiss Cultural Programme in South Eastern Europe (SCP)


Es hat etwas gedauert, nun ist sie aber da: die ausführliche und reich bebilderte Dokumentation der Redebeiträge, des Podiums und der Diskussionsrunden am Forum vom vergangenen 6. Dezember im Kornhausforum in Bern. Rund 120 Personen, darunter 16 KünstlerInnen und Kulturvermittler, die aus Südost-Europa angereist waren, diskutierten einen Tag lang die Erfahrungen des Schweizer Kulturprogrammes SCP, welches von der DEZA finanziert und vor Ort durch Pro Helvetia durchgeführt worden war. Im Sommer 2013 ging es nach 14 Jahren mit über 3000 unterstützten Kulturprojekten zu Ende. Die Gäste waren sich mit den anwesenden Programmverantwortlichen einig, dass es sich beim SCP um das einzige Kulturprogramm eines europäischen Staates handelte, welches wesentlich von lokalen Partnern gestaltet werden konnte und nicht zur Promotion von Schweizer Kulturschaffenden dienen musste. 

Die Dokumentation steht auf Deutsch oder Englisch als pdf-Datei zum Download bereit.


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09/2014

Nehad El-Sayed

Yarns
(TMR 2014)


[ma] Nach einer Ausbildung zum klassischen Oud-Spieler und Musiklehrer in Kairo kam Nehad El-Sayed 2005 als artist-in-residence in die Schweiz. Hier knüpfte er Kontakte mit der Hochschule der Künste in Bern, entdeckte die bekannten Komponisten der Gegenwart und erwarb 2010 schliesslich den Master in Komposition und Theorie in Bern. Im Booklet seiner ersten CD beschreibt er, wie er sich seither von den Fäden der unterschiedlichen Musiktraditionen umwoben fühlt und wie er darin sein eigenes Netz spinnt. Begleitet von vier Musikern aus Ägypten und der Schweiz hat Nehad ein vielschichtiges, überraschendes und sehr persönliches Werk eingespielt. Die klassisch-arabische Improvisationsform des Taqasim trifft auf westlich geprägte Loop-Formen, modale Passagen gehen in Polyphonie über. Bassklarinette und Kontrabass öffnen der virtuos gespielten Oud Raum in die Tiefe, diverse Trommeln, Schellenringe und Cajón sorgen für viel Drive in den rhythmusstarken Passagen. Das Album wurde von den fünf Musikern im vergangenen Mai und Juni in der Schweiz in 10 Konzerten live präsentiert.

 

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04/2014

Basel Rajoub Trio

Asia
(Edict Records 2013)


[es] Ohne Zweifel, Basel Rajoub ist ein Ausnahmetalent; vom Jazz inspiriert entlockt er seinem Saxophon die Mikrotöne der arabischen Tonleitern. Beim Anhören seiner neusten CD "Asia" überrascht aber vor allem die offenbare Schlichtheit, die Kunst seiner Melodien: Mit wenigen, seltsam familiär tönenden Noten zielt der syrische Musiker und Komponist direkt auf unsere intimsten Empfindungen. Basel Rajoub ist ein Konzentrat von höchst dramatischer Sensibilität, seine Musik ist intensiv melancholisch und gefühlsbetont. Jedes Instrument des unglaublich starken Trios entwickelt in freien Improvisationen seine Persönlichkeit. Die intensiven Arpeggien und Crescendos der Qanun (Kastenzither) von Feras Sharstan zeugen von grosser Leidenschaft, die Rhythmen des Perkussionisten Khaled Yassine von einer Subtilität, die unter die Haut geht. Die ganze CD lässt sich in einem Zug geniessen. Basel Rajoub, der sich inzwischen in Genf niedergelassen hat, ist erfreulicherweise ein produktiver Mensch. Nach seinen bemerkenswerten Auftritten am Cully Jazz Festival und am Amman Jazz Fesitval in Jordanien, arbeitet er unter dem Namen "Soriana" an einem musikalischen Projekt variabler Grösse: eine neue Trioaufnahme ist für diesen Herbst geplant, die neue Formation umfasst auch Musiker aus der Schweiz und aus Italien. Fortsetzung folgt.

 

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03/2014

Wellenschläge

(The Rowing Lesson). Roman von Anne Landsman, Südafrika

Der Andere Literaturklub


Bei der weißen Landbevölkerung und den armen schwarzen Familien Kapstadts heißt er Dokter God – Harold Klein ist ein leidenschaftlicher, allseits respektierter Arzt, aber auch aufbrausend und herrschsüchtig, wie seine Tochter Betsy nur zu gut weiß. Sie hat sich ihm und Südafrika entzogen, um in New York ein Leben als Künstlerin zu führen. Als ihr Vater überraschend ins Krankenhaus eingeliefert wird und das Bewusstsein verliert, kehren sich die Rollen um: Er ist nun Patient, und die Tochter spürt seinem Leiden nach – das tief in der Familienbiografie und der Geschichte seines Landes wurzelt. Der Roman ist ein imaginäres Zwiegespräch über die Kindheit und Jugend des Vaters. Zu dessen intensivsten Momenten gehören Ruderausflüge auf dem Fluss Touw, einem alles entscheidenden Sehnsuchtsort für Vater und Tochter. In Wellenschläge erzählt Anne Landsman in einer einzigartig fließenden Sprache vom Leben einer jüdischen Familie vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs bis hinein in das Südafrika der Apartheid.
Anne Landsman studierte an der Universität von Kapstadt und der Columbia University. Für Wellenschläge erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sunday Times Fiction Prize.


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12/2013

Jackson Wahengo

"Eeloli" (Official Video)


[ma] Nachdem Jackson Wahengo seine CD 2012 in Nambia produziert hat, ist er nun für seinen neusten Videoclip nach Stockholm ins legendäre "Subtopio" gereist. "Eeloli" ist die Neuinterpretation eines Liedes der bekannten namibischen Sängerin Nanghili Nashima aus den 1940er Jahren. Es erzählt im Refrain von den Lastwagen der SWANLA, welche während der Herrschaft von südafrikanischen Apartheid-Regimes über Namibia im Norden des Landes Arbeiter abholten unter härtesten Bedigungen an Arbeitsorte in den Süden verfrachteten. Diese Arbeiter wurden später zu wichtigen Protagonisten des Widerstandes gegen Ausbeutung und für die Befreiung des Landes. Das Video evoziert die Stimmung eines Tanzlokals der südafrikanischen Townships der 1950er Jahre; die nur mit Frauen besetzte Begleitband bringt mit einer bombastischen Basslinie und satten Bläsern viel Bewegung in die Beine und Arme der männlichen Tänzer.

 

Video anschauen


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11/2013

4 Bücher für 2014

 

Das Programm 2014 des Anderen Literaturklubs beginnt mit Luiz Ruffatos „Mama, es geht mir gut“, dem ersten Teil aus dem Romanzyklus „Vorläufige Hölle“, in dem der Autor Leben und Sprachen der Einwanderfamilien im ländlichen Brasilien literarisch auslotet. Ein weiterer Lesegenuss ist „Wellenschläge“ von Anne Landsman – wunderbar wie die Tochter sich am Sterbebett des Vaters, eines jüdischen Arztes in Südafrika, in eindringlichen Bildern an dessen Leben erinnert und besonders an eine Fluss-Landschaft, den gemeinsamen Sehnsuchtsort. Seltsam vertraut in der Fremdheit liest sich der liebevoll und spannend erzählte Roman „Das verbotene Glück der anderen" von Manu Joseph, in dem ein Vater das Geheimnis hinter dem Selbstmord seines Sohnes ergründet. Carlos Sampayo und José Muñoz können das Wesen Argentiniens in „Carlos Gardel" genauso wenig ergründen wie die schillernde Persönlichkeit des grossen Sängers, aber sie setzen die Fragen danach auf faszinierende Weise um, in ihrer – und das ist die Überraschung und ein Novum im Anderen Literaturklub – Biografie in Comic-Form.

 

www.literaturklub.ch

 

 


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10/2013

Pèdra Préta

Bom Pa Ti

(Unit Records 2012)


[jk] Es ist nicht ganz einfach, Brücken in den Jazz hinein zu konstruieren. Das italienisch-schweizerisch-brasilianische Trio Pèdra Préta hat eine solche Brücke in zwölf Songs gebaut. Die ersten Hör-Schritte sind etwas herausfordernd, die Überquerung insgesamt eine sehr lohnendes Hörabenteuer. Es beginnt mit einem rhythmisch vertrackten Samba: die Stimme stimmt eine versöhnliche Melodie an, Bass und Gitarre überholen sich gegenseitig in rhythmischen Pizzicato-Eskapaden. Der zweite Abschnitt ist eine funky Herausforderung, im dritten Abschnitt darf der Bass die Leadstimme singen, während die akustische Gitarre in eine Bossa Nova-Begleitung fällt. Jeder Song lebt in seiner eigenen Welt. Schlagzeug und Perkussion legen abwechslungs- und trickreiche Tempi vor, Gitarre und Bass luchsen sich gegenseitig die Melodieführung ab. Dann wieder ein klanglicher Stolperstein, die Gitarre darf knarzen. Wach bleiben! Und dann ist man drüben und fragt sich: ist das jetzt Jazz, Funk, Brazil-Grooves, oder was ist es? Die Antwort: spannende Musik mit Herzblut, Bodenhaftung und Abenteuergeist. Mitte Oktober in der Schweiz auch live zu erleben! [Konzertdaten]

 

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10/2013

Raja Alem

Das Halsband der Tauben
(Unionsverlag 2013)

www.literaturklub.ch


In einer Gasse in Mekkas Altstadt wird eine unbekannte Tote gefunden, nackt, mit entstelltem Gesicht. Die Bewohner sind in Aufruhr, und allmählich kommen verborgene Geheimnisse an den Tag: verbotene Liebesbeziehungen, Familientragödien, aber auch zwielichtige Geschäfte inmitten dieser aufgewühlten Stadt, in der religiöse Tradition und brutale Spekulation aufeinanderprallen. Inspektor Nasser wird mit der Untersuchung beauftragt. Er taucht ein in die Lebensgeschichten von zwei vermissten Frauen, die an den Hindernissen ihrer Umgebung zerbrochen sind. Bald stößt er auf bedrohliche Mächte: Korruption und Immobilienprojekte bedrohen die alte, ehrwürdige, heilige Stadt Mekka. Raja Alems Mekka ist ein Ort der Gegensätze: aufrichtig und bestechlich, reich und arm, sündig und rein. Geschichte, Gegenwart und Fantasie vereinigen sich zum Lebensbild einer Stadt, die so in der Literatur noch nie beschrieben wurde.

Der Roman wurde 2011 mit dem International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet. Die Autorin stammt aus einer alten Mekkaner Familie. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich.


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06/2013

Yang Jing & Christy Doran

No. 9
Leo Records (2013)


[thb] 1966 trafen sich Yehdui Menuhin und Ravi Shankar zu ihrer legendären Session «East meets west». Die Pipa-Virtuosin Yang Jing und der E-Gitarren-Magier Christy Doran zeigen, wie so ein musikalischer Brückenbau im 21. Jahrhundert klingen könnte. Die viersaitige chinesische Schalenhalslaute hat 2000 Jahre auf dem Buckel, die E-Gitarre noch nicht mal 100. Doch trotz dieses gewaltigen Generationsunterschiedes ist sich der Sound dieser beiden Instrumente ziemlich nah. Die Kompositionen stammen mal von Jing, mal von Doran. Seit 5 Jahren spielt das Duo zusammen, oder besser gesagt: es umspielt sich, umgarnt sich, es verziert sich gegenseitig. In ihrer selbsterschaffenen Zeitzone gehen die beiden respektvoll miteinander um: selbst dann, wenn Doran seine Töne verzerrt, erdrücken sie dabei nie die zarte Pipa. Und wenn er in «Shadows of roses» weltlich-bluesig wird, kümmert sich Jing um den Transfer in andere Sphären. Die sieben Tracks haben nicht nur botanische Namen, sie kreieren auch botanische Bilder: blütenreiche Wiesen, der Wind in den Blättern, Insekten in den Hecken. Menschen sind da jedenfalls keine, in diesem geheimnisvollen Garten, zu dem das Duo seinen Hörerinnen und Hörern die Pforten öffnet.

 

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05/2013

Yilian Cañizares

Ochumare

Naïve (2013)


[es] Das ist, was man Berufung nennt. Mit zwei Jahren schon steht die Kubanerin Yilian Cañizares zum ersten Mal auf der Bühne. Mit sieben verliebt sie sich in eine Geige. Im Wahlfach Musik der Primarschule beginnt sie, Piano und Geige spielen zu lernen. Später, während ihrem Studium der klassischen Musik, flirtet sie mit dem Jazz, sobald ihr die Lehrer den Rücken zeigen. Heute in Lausanne zu Hause publiziert Yilian Cañizares erstmals eine CD unter ihrem eigenen Namen unter dem Titel „Ochumare“ (auf Deutsch „Regenbogen“). Bisher war Ochumare auch der Name ihrer Gruppe mit ausgezeichneten Musikern von hier und dort (der Schweizer Cyril Regamey an der Perkussion, David Britto aus Venezuela am Kontrabass und der französische Pianist Abel Marcel). Gemeinsam sind sie auf den Bühnen der Romandie und Umgebung keine Unbekannten mehr. Die CD „Ochumare“ zeugt vom gemeinsam zurückgelegten Weg und vereint die verschiedenen Einflüsse. Geprägt von der vielfältigen Musik Kubas und der Santeria, gespielt mit perfekter musikalischer Technik, ist die CD von Anfang bis Ende voller Jazz-Feeling und hebt wiederholt mit inspirierten Solis ab.

 

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04/2013

Trio Interkontinental

„Silk Road Suite. A musical expedition“

Narrenschiff (2012)


[thb] Das Trio Interkontinental macht seinem Namen alle Ehre und begibt sich auf eine musikalische Expedition entlang der Seidenstrasse, von Zürich nach Kirgistan und zurück. Das Equipment ist überschaubar: eine rau tönende Kniegeige, eine Laute mit konturiertem Klang, eine Maultrommel und verschiedene Perkussioninstrumente (Abduvali Ikramov), die komplizierte Rhythmen abwechseln und die Instrumentalisten (Martin Schumacher und Jusuf Aisaev) antreiben. In der traditionellen, zentralasiatischen höfischen Musik shashmaqam begleiten die Instrumente die Gesangsstimme. Hier singt die manchmal gar zu schön klingende Klarinette von Martin Schumacher, sie entfaltet die Melodien und nimmt Motive wieder auf. Schumachers erste umfassende Komposition trägt seine schubladenlose stilistische Handschrift, meidet Ausbrüche und lässt Raum für Improvisation. Das im warmklingenden Kellergewölbe des Berner ONOs mitgeschnittene Konzert besteht aus 10 Etappen: die Vision der Reise, die holprige Strasse, das kitschige Sternenzelt, die unregelmässigen Spritzer des strömenden Flusses, die heisse Wüste, Berge, Sturm, leisen Schnee, urbanes Getöse und schliesslich die Nacht. Die Landschaften fliegen vorbei, die Gedanken kreisen und am Ende bleibt das Gefühl, wirklich unterwegs gewesen zu sein.

 

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04/2013

Buddhist Monks from the Punakha Dzong Bhutan

„Rituals“

Electric Mermaid Music Production (2012)


 [thb] Rätselhaft beginnt diese CD: 14 buddhistische Mönche aus Bhutan murmeln Gebete in bassig-brummenden Tiefen und wiederholen meditativ die Anrufungen der Götter. Und rätselhaft bleibt diese CD: Mal sind die Gesänge ruhig und unfassbar langsam, mal überlagern sie sich zu dramatisch anmutenden rhythmischen Geflechten. Dazu pulsieren Trommeln, Glocken und Becken und es setzen Hörner und grelle Schalmeien ein.

Nach ihrem Auftritt im Juli 2012 beim Volkskulturfest Obwald gingen die Mönche für die Aufnahmen ins Studio in Stalden. Das Ergebnis ist nicht nur ein Mitbringsel von ihrer ersten Reise ins Ausland. Es ist auch ein Schatz für Musikethnologen und ein genüsslicher, hypnotischer Kulturschock für westliche Hörerinnen und Hörer. Leider gelingt es weder den Texten im Booklet, noch denen auf der Homepage der CD (buddhistmonksbhutan.com), die fest in die Klosterkultur eingebundene Ritualmusik etwas greifbarer zu machen. Aber irgendwie springt der hochspirituelle Funken auch ohne grosse Erklärungen über und lässt den Hörer eintauchen in eine völlig fremde Welt.

 

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02/2013

Wilber Calver

"Diaspora"

Alex Wilson Records (2012)


[jk] Man stelle sich vor: auf der einen Seite die geschmeidige kubanische Tänzerin, den Schwung der Tanzdrehung bei jedem Schritt in ihrem Rock. Auf der anderen Seite der irische Tänzer, ein etwas steifer Verehrer mit durchgestrecktem Rückgrat. Die beiden tanzen gerne zusammen. Es wirkt immer dann leicht, wenn die Tänzerin führen darf, wenn sie ihren Verehrer in fliessende, gleitende Melodien entführen kann. Der irische Held besinnt sich aber auch gerne auf den Herzrhythmus seines Instruments. Der Herzschlag des Dudelsacks ist der taktbetonte Reel oder der etwas lockererer Jig. Dann ist das aufsetzen des Fusses wichtiger als das abheben und schweben.

Keltischer Dudelsack und kubanische Grooves, das hat klare Verwandtschaften – Spanier und Iren haben schliesslich über Jahrhunderte die Meere befahren, sind an fremden Ufern gestrandet. Beides sind stolze Völker, und sie finden am besten auf stilbeugendem Territorium zueinander, z.B. im Jazz, in der Auflösung der Takt- und Stilgrenzen. Wilber Calver, der Kubaner, der in der Schweiz gelandet ist, hat sich aufgemacht diese neue Welt zu erobern.

 

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12/2012

Urumchi

"Nar(r)"

Leo Records (2012)


[ma] 2004 reiste die in Istanbul aufgewachsene kasachische Sängerin Saadet Türköz ins Heimatland ihrer Eltern und nahm in Almaty und anschliessend in Peking mit einheimischen Musikern ihre CD Urumchi auf. Im Kontrast zu früheren Aufnahmen und ihren Konzerten überraschte die seit langem in Zürich lebende und für ihre experimentelle und improvisierte Musik bekannte Sängerin auf diesem Album mit Liedern, die meist auf der Langhauslaute Dombra in weitgehend traditioneller Art begleitet werden. Urumchi heisst nun auch ihre aktuelle Formation mit Hans Hassler (Akkordeon), Alfred Zimmerlin (Cello) und Fredy Studer (Drums), welche mit der CD Nar(r) wieder eher in simultanen Realitäten musiziert. Diese sowohl harmonisch wie rhythmisch sehr offen konzipierte Musik lässt ebenso viel Freiraum den HörerInnen: für die einen repräsentiert sie Territorien, in welchen Winde blasen, Pferde tanzen und Blätter knistern, für andere sind es Klangwelten, die als eigene Dimension für sich selbst stehen. Nicht zu vergessen ist dabei jedoch, dass diese Musik eine physische Präsenz hat, dass Akustik und Körper zum Einsatz kommen, welche erst im Konzert wirklich erlebt und genossen werden können. Eine gute Gelegenheit dazu gibt die CD-Taufe am 15. Dezember im Walcheturm Zürich!

 

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11/2012

Trio Kazanchis

"Amaratch Musica"

Buda Music/Ethiosonic (2012)


[es] Nicht nur Ethio-Jazz ist der neue Modestil aus Afrika, die äthiopischen Rhythmen erleben zur Zeit musikalische Erkundungen aller Art, vom Jazz bis Rock. Zum Beispiel mit dem Trio Kazanchis, welches auf ihrer ersten CD in der Reihe Ehiosonic des Labels Buda Music Stilgrenzen aufbricht. Eine logische Folge, wenn der Sänger und Krarspieler Mèssèlè Asmamaw aus Äthiopien auf den in Zürich wohnhaften holländischen Ex-Punk Jeroen Visser (Keyboard und Saxophon) und auf Fabien Duscombs, Schlagzeuger der "Tigres des Platanes" aus Toulouse, trifft. Die haben sich in Addis Abeba kennen gelernt, richtig los gegangen mit der Gruppe ist es vor zwei Jahren mit einem denkwürdigen Konzert in der Cave 12 in Genf. Gemeinsam surfen sie über die Rhythmen und pendeln zwischen Akkustik und Elektrik. Ab und zu ertönt eine bekannte Melodie und der Gesang von Mèssèlè bringt etwas Sanftheit in eine überbordende, hinlänglich improvisierte Funky-Musik, zu welcher auch ein Amhara-Rumba gehört.

 

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11/2012

Jackson Wahengo

Akutu hewa
(2012)


[ma] Seit dem 1. November steht erste Album von Jackson Wahengo auf iTunes, Spotify und Amazon zum Download bereit, in einigen Tagen wird auch die CD ausgeliefert. Der in Genf lebende Gitarrist und Sänger aus Namibia hat es in Windhoek mit lokalen Musikern und einigen seiner Begleiter aus der Schweiz eingespielt. Die 14 von seiner groovenden Gitarre angetriebenen Songs verbinden Rhythmen und Gesangsformen des südlichen Afrika mit Einflüssen aus Jazz, Rumba, Zouk und Reggae. In Flüchtlingslagern Angolas aufgewachsen, singt Jackson in der Sprache Oshiwambo und erzählt Geschichten aus einem Land, welches im internationalen Musikgeschäft wenig vertreten ist. Was auf "Akutu Hewa" zu hören und im Videoclip "Kalomoh" zu sehen ist, macht klar, dass es sich absolut lohnt, diese Musik und diesen talentierten Musiker zur Kenntnis zu nehmen. Wir sind gespannt auf seine Konzerte in der Schweiz, welche hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen!

 

- Videoclip auf Youtube

- Akutu Hewa auf Amazon


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07/2012

Samir Essahbi

Dounya
(2012)


[jk] Die Produktion ist eine Familienangelegenheit – im Fall von Samir Essahbi ist es eine etwas weit verzweigte Familie. Die eine Hälfte lebt hier in der Schweiz, die andere in Marokko, und zur Familie gehören nicht nur Verwandte. Das ist die Auflösung des Untertitels der CD: The Marokko Suisse Project. Die Grundstrukturen der Songs entstanden in der Schweiz, in Marokko kamen die Ornamente und der Innenausbau dazu. Im Verlauf seiner marokkanischen Karriere spielte und sang Samir mit Musikern aus unterschiedlichen Stilrichtungen. Das kommt ihm hier zugute. Nicht verwunderlich ist, dass die Songs in erster Linie auf Rhythmen gebaut sind – alle drei Essahbi-Brüder sind Perkussionisten. Von diesem Rhythmusgerüst aus wuchern die Melodien und Arrangements in alle Richtungen. Mal geht’s in Richtung Chaabi, mal in den Raï, es klappern die Qaraquib, die blechernen Kastagnetten der Gnawa, und sogar ein Latin-Einschub ist da. Möchte man kritisieren, dann dass die eine oder andere Melodie gerne etwas schärfer hätte herausgearbeitet werden können, oder dass einige Keyboard-Sounds etwas gar konventionell gewählt sind.

 

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05/2012

Nilsa & Maning Nice

Eu Sou De Cor

2012


[jk] Funky, was die Frontfrau aus Mosambik und ihre Truppe auf ihrem dritten Silberling vorlegen. Es wird gleich klar wenn man sieht, woher die Musiker von Nilsas Band, «Manning Nice», kommen: Funky Brotherhood, James Brown Tribute Band oder Grandmother’s Funk. Damit ist klar, warum die Grooves direkt ans Nervenkostüm andocken. Nilsa erzählt Geschichten aus ihren beiden Heimaten, aus Mosambik und der Schweiz, in einem Mix aus schnellen Rhymes und anhaftenden  Melodien. Wenn sie für zwei Songs Freda Goodlet ins Studio holt, driftet die Stimmung Richtung urbanen Soul. Dann greift Rolf Mosele in die Saiten und zieht die Truppe mit ein paar harten Riffs wieder in rockige Gewässer. Hier ein Schuss Brasilien, dort eine Prise Zucker – das macht die Mischung schmackhaft und locker. Die Band meint zu ihrem neuen Werk, man habe sich nicht darauf versteift, «auf Biegen und Brechen afrikanisch zu klingen». Das macht gelassen, tönt abwechslungsreich, farbig und gut.

 

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05/2012

The Fellowship of the Drums

Ein Film von Martin Fuchs
The Washing Line 2011


[ma] „Wir sind wie ein Schlagzeuger mit vier Drumsets“, sagt Kesivan Naidoo in die Kamera. Der 1979 in Südafrika geborene Drummer schwelgt jedoch nicht nur in lobenden Worten, obwohl dies während dem knapp einstündigen Film über das Abenteuer „Beat Bag Bohemia“ öfters der Fall ist. Er zeigt sich auch zutiefst bestürzt und gar verärgert über den Schweizer Schlagzeuger und Projektleiter Lucas Niggli, der auf der langen Tour durch Afrika und Europa ein Konzert in einer südafrikanischen Township angesetzt hat. Niggli wurde 1968 in Kamerun geboren und hat seine ersten sieben Jahre dort verbracht. 2006 war er als Artist in Residence über Pro Helvetia in Kapstadt, wo das Projekt „Big Bang Bohemia“ seinen Anfang nahm, zu welchem auch Rolando Lamussene aus Mozambique und Peter Conradin Zumthor aus der Schweiz gehören. Martin Fuchs, der selbst auch drei Jahre in Kapstadt lebte, hat die Band während ihrer zahlreichen Konzerte 2007 begleitet und ein sehr gelungenes musikalisches und auch menschliches Porträt von vier Musikern geschaffen, welche 2011 mit ungebrochener Energie und Spielfreude erneut gemeinsam unterwegs waren.


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04/2012

4tet - Different Song

Yang Jing, Michel Wintsch, Bänz Oester, Norbert Pfammatter
"Step in to the Future"
www.leorecords.com (2012)


[tbb] Yang Jing spielt in China auf grossen Konzertbühnen. In der Schweiz experimentiert sie mit Jazz und zeitgenössischer Musik. Ihr Spiel auf Pipa und Guqin vereint Kraft, Virtuosität, Poesie und Vielfalt im Ausdruck. Auf «Step in to the Future», der CD ihrer Schweizer Gruppe 4tet – Different Song, lässt sie uns jetzt an ihren neuesten Experimenten teilhaben. Sie spielt variantenreiche rhythmische Passagen mit Norbert Pfammatter (Schlagzeug), interagiert verspielt in temperierten und untemperierten Tönen mit Michel Wintsch (Piano) und sucht mit Bänz Oester (Bass) nach Phrasierungen zwischen Jazz und chinesischer Musik. «Ich finde in der Schweiz die Zeit, mich selber zu hören», erzählt Jing im Gespräch: «Ich bin der Natur so nahe – hier in meinem Haus in Aarburg. Im alten China galt das als höchstes Ziel überhaupt: In Einklang zu leben mit der Natur. Ich finde in der Schweiz die nötige Ruhe und Distanz zu meinem Schaffen. Ich kann nachdenken: Was tue ich eigentlich? Und was ist wirklich wichtig?“ Auf ihrer CD trumpfen Yang Jing und ihre Mitmusiker mit spannenden Kompositionen auf (z.B. «Noire meg» oder «Water Lily»), offerieren vielfältige Klang- und Geräuschstrukturen und gehen immer wieder unerwartete Wege. Eine CD zum mehrmaligen Anhören.

 

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04/2012

Abdellah Taïa, Aminatta Forna

Zwei Neuerscheinungen im Anderen Literaturklub


Im Roman Der Tag des Königs von Abdellah Taïa wartet eine Menschenmenge auf die Ankunft König Hassans II. Mitten darin zwei Jungen. Khalid stammt aus einem herrschaftlichen Haus, Omar aus der armen Vorstadt. Dennoch sind sie unzertrennlich. Omar liebt Khalid und Khalid Omar. Doch unter dieser Beziehung der beiden ungleichen Jungen lauern Abgründe. Khalid wurde ausgewählt, als bester Schüler der Klasse, dem König die Hand zu küssen. Er hat Omar nichts davon gesagt. Lakonisch erzählt Abdellah Taïa, wie Liebe umschlägt in Gewalt unter einem despotischen Regime.

Aminatta Fornas Lied aus der Vergangenheit handelt in Westafrika: Der britische Psychologe Adrian Lockheart kämpft mit dem Staub und der Hitze Sierra Leones – und mit dem Schweigen eines Volkes, dem er helfen will, die Schrecken der Vergangenheit zu überwinden. Im Krankenhaus findet er unerwartete Freundschaft bei Kai, einem jungen Kollegen, und Elias, einem Patienten auf dem Sterbebett. Es kristallisiert sich heraus, dass die drei Männer durch mehr verbunden sind, als sie ahnen: durch die Liebe zu derselben Frau. Ein bildkräftiges Epos über gewöhnliche Menschen, die mit ungewöhnlichen Umständen kämpfen müssen.


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12/2011

Ochumare

"Somos Ochumare"
2011


[ma] Für ihre zweite CD ist die in Lausanne lebende kubanische Sängerin, Geigerin und Komponistin Yilian Cañizares mit ihrer ganzen Band „Ochumare“ nach Havanna ins Studio gereist und hat sich vom einzigartigen Ambiente ihrer Heimatstadt inspirieren lassen. Entstanden sind zehn Kompositionen, welche nach Latin-Jazz, kubanischem Son, argentinischem Tango oder gar Swing schmecken, manchmal eine einem vertraut tönende Melodie anspielen, um sich dann aber auf und davon zu machen. Die elegant sonore Stimme Yilians und ihr improvisationsfreudiges Geigenspiel wird von ihren ausgezeichneten Bandgefährten Pity Cabrera aus Kuba am Piano, David Brito aus Venezuela am Bass und dem Schweizer Cyril Regamey am Schlagzeug begleitet. Bemerkenswert auch die Gastmusiker Lino Lores, welcher im zweiten Thema der CD virtuos die kubanische Tres erklingen lässt, sowie Julio Padrón mit zwei coolen Trompetensoli. Ein sorgfältig produziertes Album einer Gruppe, von welcher noch einiges zu hören sein wird.

 

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10/2011

National Fanfare of Kadebostany

Songs from Kadebostany
Mental Groove Records (2011)


[tbb] So macht Musik hören Spass: Kühe muhen, eine Ziege meckert. Verzerrte polyrhythmische Perkussion begleitet östliche Melodien. Minimalistische Elektronika schieben sich dazu, schaffen hier harte Clicks and Cuts, dort einen Dub-Nachhall. Sängerinnen singen weissrussische Ohrwürmer oder kunstvollen Disco-Pop, Streicher bringen einen Schuss zeitgenössische Musik. Das Material wird in überraschenden Arrangements zu vielseitigen Klangwelten manipuliert. Sie klingen prägnant und eigentümlich, der Genfer Elektroniker Kadebostan, das weissrussische Kammerensemble Rational Diet und verschiedene Gastmusiker (u.a. Joy Frempong). The National Fanfare of Kadebostany ist eine von verschiedenen Westschweizer Formationen, die derzeit frisch und frech mit osteuropäischen, asiatischen und afrikanischen Klängen und Rhythmen experimentieren. Ihre CD beweist es: Dank Internet und billigen Flugpreisen entsteht eine neue globalisierte Popmusik. Diese trans-kulturellen Pop-Experimente klingen weit weg vom gefälligen Wohlklang der Weltmusik. Sie verarbeiten auch Klischees offensiv und blicken auf sie aus dem Hier und Jetzt.

 

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09/2011

Baye Magatte

Dièm
Brambus Records (2011)


[ma] Seit seiner zur Hälfte in Dakar eingespielten CD „Aywa“ von 2008 und dem Auftritt an Afro-Pfingsten 2009 hat Baye Magatte eine illustre Schar von in der Schweiz beheimateten MusikerInnen um sich geschart und intensiv an Sound und Arrangements gearbeitet. Das Resultat ist auf der im August 2011 erschienenen CD „Djèm“ zu hören. Sie vereint nicht weniger als 22 MusikerInnen, bis zu drei Gitarren weben, gemeinsam mit vielschichtiger Perkussion, intensive Rhythmus-Strukturen, welche die sonore Stimme Magattes gut tragen. Senegalesischer M’Balax, mit etwas Reggae und Latino-Pattern angereichert, kommt mit viel Druck daher, vor allem wenn der bei King-Kora geborgte Bläsersatz zum Einsatz kommt. Die in Wolof gesungenen Texte sind im Booklet gleich in drei Sprachen übersetzt, was bei der eher bescheidenen Poesie nicht unbedingt vorteilhaft ist. Gespannt dürfen wir aber sein, wie Baye Magatte diese Musik mit seiner 10-köpfigen Band auf die Bühne bringt. Gelegenheit dazu gibt es an der CD-Release-Party am 24. September im Sud Basel, oder dann am 21. Oktober im Moods Zürich.

 

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08/2011

Sira – Wenn der Halbmond spricht

Dokumentarfilm von Sandra Gysi & Ahmed Abdel Mohsen
Spieldaten und Orte



Ein Film über die Überlieferung von Traditionen und das Ringen um Modernität in der ägyptischen Gegenwart – und über die Suche nach Helden, gestern wie heute.
Sayyed el-Dawwy ist 80 Jahre alt und der letzte lebende Dichter der Sira - des grössten arabischen Epos. Nur er kennt ihre 5 Millionen Verse auswendig, nur er hält die Geschichten vom Volk des Halbmonds am Leben. Über Generationen ausschliesslich mündlich überliefert will er die Sira an seinen Enkel Ramadan weitergeben.
"Sira – Wenn der Halbmond spricht" begleitet die beiden auf ihren Konzert-Tourneen durch Ägypten. Und während Sayyed seinem Nachkommen Ramadan die Sira in seinem Sinne vermitteln will, interessiert sich Ramadan für zeitgenössische Interpretationen im Einfluss von Pop und Soap-Operas.
Im Ringen der Generationen um die Bedeutung der Sira zeigt sich eine Welt, die zwischen Tradition und Moderne steckt – auf der Suche nach ihren Helden. Gestern wie heute.


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05/2011

Praed

Made in Japan
Annihaya Records (2011)


[tbb] Praed, das Duo des Berners Paed Conca und des Libanesen Raed Yassin, lockt den neugierigen Hörer auf ein wirres Medien-Karussell. Popklänge treffen auf ihrem zweiten Album „Made in Japan“ auf experimentelle  Spieltechniken. Akustische Angebote von gestern und heute werden feilgeboten: Raed Yassin singt zu einem Sample des ägyptischen Popstars Mahmoud El Husseini, er mimt den Alleinunterhalter auf Keyboard und Synthesizer, während im Badezimmer ein Rohr bricht. Japanische Stimmen, Schreie, Gewehrsalven und Dub-Grooves werden dazu eingeflochten. Die Klänge und Rhythmen kreisen endlos, wie das Karussell auf dem Jahrmarkt – und nutzen auch dessen nostalgisch verstaubtes Klangbild: Kitschige Billigstsounds und Stampftrommeln drehen in endlosen Schleifen, kommen von nirgends und zielen nirgendwo hin. Das alles wird durch den Fleischwolf gedreht und mit Techniken der experimentellen Musik verarbeitet: mit präpariertem Kontrabaß und E-Bass, variantenreichen Spieltechniken auf der Klarinette, und mit Scratches auf Plattenspieler und Kassettengerät. Ein Kommentar über die Zufälligkeit, Gegensätzlichkeit, Ziellosigkeit des akustischen Materials, von dem wir umgeben sind. Ein Plädoyer für eine grenzenlose, verrückte und offene Welt.

 

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05/2011

Da Cruz

Sistema Subversiva
Six Degrees Records (2011)


[tbb] Bern mausert sich zu einer kleinen Hochburg der Weltmusik 2.0: Der Berner Produzent Wildlife! arbeitet derzeit am neuen Album der Jamaikanerin Terry Lynn, und der Club Bonsoir veranstaltet laufend Konzerte mit aufkommenden Stars aus Afrika oder Lateinamerika. Da Cruz, das Duo der Bern-Brasilianerin Mariana Da Cruz und des Berner Musikjournalisten und Produzenten Ane Hebeisen, haben ihre dritte CD „Sistema Subversiva“ jetzt auf dem bekannten US-Label Six Degrees Records herausgegeben. Da Cruz setzt zum Auftakt auf den aggressiven Sprechgesang des angolanischen Kuduro, flirtet bald mit bekannteren brasilianischen Klangfärbungen und formt mit „Papo De“ einen poppigen Ohrwurm. Hebeisen setzt auf kantige Beats und auf Klänge aus Jazz, Pop, Rock und Metal. Der Mix zwischen Club-Musik und Hör-CD gelingt noch nicht immer – zu sehr stehen Musik und Gesang teilweise noch nebeneinander. Eine Band mit Potenzial für musikalische Höhenflüge.

 

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05/2011

The Faranas

Who Are You?
(2011)


[tbb] Die zehnköpfige Berner Kombo The Faranas trumpft auf ihrem Debutalbum „Who Are You?“ mit einem eigenständigen Mix aus Afrobeat, Jazz, Funk und Soul auf. Kunstvolle Bläser-Riffs, differenzierte Polyrhythmen und Sologesang in Englisch, Wolof und Afrikaans entfalten in überraschenden Arrangements und einem äusserst differenzierten Soundbild grosse Wirkung. In jedem Ton, jeder Akzentverschiebung, jedem queren Einschub spürt man die Freude am Zusammenspiel dieser Working Band. Dabei könnte „Farana“ – „Ausländer“ im Pidgin English Nigerias – auf die Musiker selber gemünzt sein, die sonst in den verschiedensten Stilen musizieren: der Senegal-Berner Mory Samb zum Beispiel im westafrikanischen Griot-Gesang, Jan Brönnimann im Elektro-Jazz, Daniel Bohnenblust im Funk, oder Tonee Schiavano in Rap und Urban Music. The Faranas sind 2005 als Fela-Kuti-Coverband The Felas gestartet, und sie spielen diese langjährige gemeinsame musikalische Erfahrung voll aus. Vielleicht ist das Ganze einen Tick zu präzise und perfekt. Und ein paar noch grössere improvisatorische Freiräume wünscht man sich dann und wann.

 

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03/2011

YES WE CAN – Songs About Leaving Africa

Outhere Rec (2010)


[rh] Die neuste Kompilation urbaner afrikanischer Musik aus dem Hause Outhere Rec kreist zumeist in Form von HipHop um das Thema der illegalen Migration. Junge Musiker aus West-, Ost- und Südafrika bringen in Texten auf Englisch, Französisch, Kreolisch und Wolof ihre Erfahrungen mit der Diaspora zum Ausdruck. Die Songs handeln von Heimweh, dem Traum reich zu werden, der Schwierigkeit, das eigene Land zu verlassen und von Rückschlägen in der ersehnten Fremde, von der man sich ein besseres Leben versprochen hat.

Raptourous erzählt beispielsweise die Geschichte eines Nigerianers, der es in Deutschland unbedingt zu etwas bringen will, obwohl er nicht bleiben darf. Der somalische Rapper K’Naan berichtet von der Wichtigkeit, Geld aus dem versprochenen Land nach Hause zu schicken. Für CAPSI Revolution aus Dakar raubt die illegale Auswanderung dem Kontinent die besten Leute, "um sie den Tiefen des Atlantiks zu verfüttern".

Fernab jeglicher Mother Africa-Romantik kommen die Songs auf Yes We Can roh, unverblümt und mit frischer musikalischer Energie daher. Ein Album, welches nicht nur einen Querschnitt über das Schaffen migrierter afrikanischer HipHop-Künstler bietet, sondern zugleich ein Zeitdokument ist.

 

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02/2011

Julio Azcano

Nadear
altrisuoni (2010)


[rh] Das instrumentale Werk des argentinischen Gitarristen Julio Azcano mit seinem Trio Nadear bewegt sich in einer genreübergreifenden Welt zwischen Einflüssen der Jazzimprovisation, der Klassik und der lateinamerikanischen Musik. Azcanos technisch ausgefeiltes und zeitweilig virtuose Gitarrenspiel verbindet sich mit den Rhythmen des Perkussionisten Claudio Spieler und den von der europäischen Tradition und dem Jazz geprägten Melodien des österreichischen Flötisten Günter Wehinger zu einem dynamischen Ganzen.

In Eigen- und Fremdkompositionen wechseln sich luftig-leichte, sphärische Passagen und rhythmisch verdichtete, virtuose Parts ab. Komplexität trifft dabei auf Schlichtheit, technische Ausgefeiltheit auf Verspieltheit und hörbare Spiellust. Nonchalant überwindet das Trio diese scheinbare Gegensätze und verschmilzt in seiner Musik verschiedene Traditionen zu einem faszinierenden Hörerlebnis.

 

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01/2011

Modus Quartet

Mosaic (2010)


[tbb] Das Modus Quartet spielt einen frischen «Oriental Jazz», wie man ihn leider nur selten hört. Die vier Musikanten reihen auf ihrer CD «Mosaic» eine Vielfalt von Melodien, Skalen und Rhythmen aneinander: Der in Bern lebende Israeli Omri Hason spielt seine Perkussions-Instrumente pointiert und bleibt doch ständig in Bewegung. Er setzt hier einen Break, wechselt bald in einen neuen Rhythmus und beschleunigt oder bremst gerne subtil das Tempo. Wege Wüthrich spielt einfallsreiche Saxofon- und Klarinetten-Passagen, und Lorenz Beyeler umgarnt seine Mitmusiker eng mit verspielten aber präzisen Kontrabass-Linien. Antonello Messina aus Palermo schliesslich entlockt seinem Akkordeon nicht nur Melancholie, sondern experimentiert auch mit einer Vielzahl an Klangtexturen. Auch das Hang fehlt nicht, das Erfolgsinstrument aus Bern schlechthin. Poesie und Experiment stehen in einem schönen Verhältnis auf diesem Album.

 

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12/2010

Maciré Sylla

Talitha (2010)


[tbb] Das Album «Talitha» der in Genf lebenden Maciré Sylla aus Conakry setzt auf ein aufwendig produziertes Soundbild. Sie klingen klar positioniert zwischen Vorder- und Hintergrund, zwischen linkem und rechtem Stereokanal: elektrische und akustische Gitarren, Klavier, Keyboard, Synthesizer, E-Bass, Flöten, Saxophone, Trompeten, Kora, Balafon, Tama – und die Stimmen von Maciré Sylla und ihrer Backgroundsängerinnen. Diese Pop-Produktion, eingespielt von einer grossen Zahl afrikanischer und nicht-afrikanischer Musikerinnen und Musiker aus der Schweiz, wirkt wie ein dicht gewobenes Potpourri. Welches Instrument wann, wo und wie den Klangraum betritt, ist oft kaum antizipierbar. Die besten Momente hat diese CD, wenn Maciré Sylla etwa im Stück «Sabar» mit ihrer prägnanten Stimme über quere Rhythmen und vielfältige Arrangements singt – für letztere (und für das Soundbild) zeichnet vor allem ihr Ehemann Cédric Asséo verantwortlich. Die wunderbare Ballade «Frediyo» bildet einen Höhepunkt: «Frediyo, ich habe Angst vor den Menschen, seit ich nicht mehr arbeite», singt Sylla: Die Interpretation dieser Zeile überlässt sie dem Hörer.

 

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12/2010

Kara Sylla Ka

Yolélé («Back to Basics»)
Lugeon Distributions (2010)


[es] „Yolélé ist ein Gesang und ein Tanz der Peul. Als siebenjähriger sang und scattete ich diese Melodie, welche normalerweise auf der traditionellen Geige gespielt wird. Das brachte meine Familie immer zum Lachen und wenn sie das Bedürfnis nach Unterhaltung hatte, rief sie mich jeweils, damit ich diese Imitation mache“. Mit „Yolélé“ zieht der in Genf lebende senegalesische Sänger und Komponist Bilanz seiner vielseitigen Karriere und zieht die Fäden zwischen dem Blues der Peul aus seinem Heimatort Bakel in Nordsenegal, seinen Lern- und Wanderjahren als Mitglied verschiedener „Ballets Africains“ und seinem Interesse an anderen Tönen und Klängen, welches er seit 14 Jahren als Solist unter eigenem Namen pflegt. Gestärkt durch seine Bühnenerfahrung hat er für dieses dritte Album eine grössere Zahl von Musikern und Instrumenten versammelt. Piano, Mundharmonika und Bläser begegnen sich in seinen Kompositionen zwischen traditioneller Musik, Blues, Jazz und Rap aus dem Munde des Genfers Jonas. Eine Herausforderung, der Kara absolut gewachsen ist.

 

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11/2010

Carlos Dorado

Ciao Villa Sonja
Accoustic Music Records (2010)


[ma] Während Jahren hat der argentinische Gitarrist Carlos Dorado sich zu Hause, in der Villa Sonja in Pieterlen, Konzerte durchgeführt. Nach seinem Umzug hat er nun seinem früheren Wohn- und Arbeitsort mit einer CD „Ciao“ gesagt. Zu den 10 Kompositionen gehört denn auch ein Duo mit dem international bekannten Saitenkünstler Quique Sinesi mit dem Titel „Bajo el Tilo“ (Unter der Linde), welches nach einem der vielen Konzerte im Garten dieser Villa entstanden ist. Der zweite Duopartner auf der CD ist Victor Villadangos, auch er 2009 Gast in Pieterlen, gemeinsam interpretieren sie auf verspielte Weise einen Malambo, der traditionelle fussbetonte Tanz der Gauchos aus der argentinischen Pampa. Auch in den sechs Solostücken der CD überzeugt Carlos Dorado mit einer präzisen, expressiven und oft rhythmusbetonten Spielweise in Eigenkompositionen, welche geschickt Elemente aus Folklore, Jazz und Klassik verbinden und oft mit speziellen Stimmungen der 6 Gitarrensaiten gespielt werden. Die Partituren von sieben seiner Kompositionen sind übrigens soeben als Buch im US-amerikanische Verlag Mel Bay Publications herausgekommen.

 

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11/2010

Nilsa

Aphale (2010)


[tbb] Auf einer Tournee mit der Hip Hop Gruppe Djovana verliebte sich die mosambikanische Sängerin Nilsa 1997 in ihren jetzigen Ehemann, Gitarristen und Produzenten Rolf Mosele. Die beiden veröfföentlichten 2005 ihr erstes Album «Mamà» und legen jetzt mit der zweiten CD «Aphale» nach. Gemeinsam mit Pascal Kaeser (Bass), Thomas Bauser (Hammond Orgeln und Rhodes), Boocy Aebi (Schlagzeug) setzen sie in ihrer Musik mal auf prägnante Sprechtexte zu Schlagzeug-Begleitung, mal auf sanfte melodische Passagen zwischen Pop, Funk und Reggae. Mit von der Partie ist in zwei Stücken auch der in Bern lebende mosambikische Rapper Mr. Arssen. Nilsa, die sich an der Jazzschule Bern in Gesang und Musiktheorie weitergebildet hat, rappt und singt in Portugiesisch und im lokalen Cena. Die Lieder handeln von gescheiterten und geglückten Beziehungen, von Macho-Gesellschaften («Eu So Como So»), der Korruption in Mosambik («Quarto Escuro»), vom Mutterglück und Wochenbettdepressionen («Njala»). Dazwischen intoniert Nilsa kurz traditionelle Gesänge, und ganz am Schluss des Albums singt der jüngste Sproß der Familie einen Rhythmus mit und lacht. Ein wahres Familienprojekt.

 

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08/2010

Kamilya Jubran & Werner Hasler

Wanabni

Zig-Zag Territoires/Musicora (2010)


[tbb] Die Palästinenserin Kamilya Jubran und der Berner Werner Hasler experimentieren seit 2002 zwischen arabischer Musik, Jazz und Elektronika. Auf der zweiten gemeinsamen CD «Wanabni» singt Jubran über arabische Vierteltonhöhen (Maqam), Ganztonskalen und Obertonreihen, und Hasler spielt seine Trompete mit vielfältigen Klangtexturen. Die beiden fügen eine Oud-Laute, manipulierte Geräusche-Samples und minimalistisch gehaltene Elektronika hinzu und schaffen eine organische und sehr persönliche Musik. 
Zum einen funktioniert diese Musik ähnlich wie die arabische Tarab-Musik: Schritt für Schritt entwickeln Jubran und Hasler im Titelstück «Wanabni» ihr tonales Material und schaffen einen langen, sich allmählich intensivierenden Spannungsbogen. Dann klingt «Wanabni» ganz nach Jazz, wenn Hasler auf der Trompete frei mit dem Gesang von Jubran interagiert. Schliesslich hören wir elektronisch manipuliertes Klangmaterial: Minimalistische Synthesizer-Melodien und manipulierte Oud- und Gesangs-Samples stützen den Track, ohne aber den Spielfluss zu stören.
Kamilya Jubran und Werner Hasler kommunizieren aus dem jeweiligen Kanon ihrer musikalischen Herkunftsgenres heraus. Sie spielen mit diesem Kanon, und sie reizen ihn. Sie brechen aber die Verbindungen nie ganz ab. Ein eindrückliches Langzeit-Projekt.

 

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08/2010

Nana'N'Kho

Doumadioulo (2010)


[tbb] Nana Cissokho ist in Dakar geboren, er hat das Kora-Spiel und den Mandigue-Gesang von seinem Vater gelernt, dem bekannten Kora-Spieler Soundioulou Cissokho. Seit 1998 lebt Cissokho bereits in der Schweiz und spielte in verschiedenen bekannten Gruppen in unterschiedlichsten Kontexten – zum Beispiel mit den Gruppen Taffetas oder Keur Sénégal. Mit seiner neuen Gruppe Nana’N’Kho hat er jetzt die CD «Doumadioulo» herausgegeben – aufgenommen in Dakar und Paris. Die Musik setzt auf ein Potpourri aus westafrikanischen Stilen wie dem senegalesischen Mbalax, aber auch auf Elemente aus Salsa und Reggae. Das musikalische Geflecht klingt dabei immer organisch: Die virtuose Kora passt zu den rund gespielten Gitarren-Melodien, der elektrische Baß und das Schlagzeug setzen populäre Akzente, und dem Dialog zwischen dem Sänger Nana Cissokho und seinen drei Background-Sängerinnen hört man gerne zu. Eine wandlungsfähige Musik, die doch gut geerdet ist.

 

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06/2010

Paz Luaces

Timeless Cuba
(2010)


[tbb] Paz Luaces lebt in Bern, hat bereits mit Polo Hofers Schmetterband gesungen, Konzerte mit der Jazzlegende Ray Anderson gegeben und die ETH-Big Band aus Zürich angeführt. Jetzt hat sich die Sängerin einen alten Traum erfüllt: Sie wollte die zeitlosen Lieder aus ihrer Heimat Kuba singen und aufnehmen. Auf ihrer CD «Timeless Cuba» tut sie das jetzt mit Überzeugung und Leidenschaft. Ihre grosse Liebe zum Ausgangsmaterial spürt man in jedem Lied. Luaces singt Balladen wie «Juguete» mit grossem Gefühl, Lieder wie «Sabor a mi» mit Leichtigkeit und Spritzigkeit. Ihre Stimme trifft für jedes Stück den richtigen Ton. Die Band, Lazara Cachao (Piano), Antonio „el Yuma“ (Schlagzeug), Kees (Bass)), Juan Carlos Abreu und Enso Verdu (Perkussion) und Orbe Ortiz (Tres), schafft dazu einen präzisen polyrhythmischen Untergrund – besonders gelungen zum Beispiel im Stück «En el Tiempo de la Colonia». Paz Luaces fühlt sich in vielen Kontexten wohl. Das macht ihre neue CD eindrücklich klar.

 

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06/2010

Gaza meets Geneva

Collectif de rappeurs de Gaza, Genève et Lausanne: 3ntr, Mady, Bess, Sam, Ma3roof, Ratslab, Baz-Ini, Rynox, La Gale, Poh-Low


[tbb] Ausgangslage für das Projekt «Gaza meets Geneva» ist der Dokumentarfilm „Aisheen – Still Alive in Gaza“ der Westschweizer Filmemacher Nicolas Wadimoff und Béatrice Guelpa. Der Film zeigt unter anderem, wie die palästinensische Rapgruppe Darg Team ihren Alltag unter israelischer Besetzung bewältigt. Auf der CD treffen die MCs und DJs auf Rapper aus Genf und Lausanne – etwa auf die Libanon-Schweizerin La Gale. Die Stücke offerieren einen Mix aus fetten Beats, arabischen Melodie-Sequenzen, einer Prise europäischer Klassik, Rap in Arabisch, Französisch und Englisch: «Gaza und Genf treffen sich zu einer musikalischen Revolution», rapt Mady von Darg Team: «Wir setzen auf die Kreativität, wir kritisieren durch Dialog. Unsere Philosophie offerieren wir in verschiedenen Sprachen.» Sam rappt: «Genf hat uns seine Hand gereicht. Wir sind draussen. Ein Wunder ist geschehen.» - Ein spannender Kulturaustausch, der hoffentlich weitergehen kann.

gazameetsgeneva.com

 

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03/2010

Aliev Bleh Orkestar

Svirime! (2009)

Fontastix


[tbb] Fünf Blechbläser, zwei Klarinettisten und Saxophonisten, zwei Trommler und eine warme und charmante Gesangstimme: Traditionelle Melodien aus Mazedonien, Kosovo und aus Indien, gemischt mit einem Schuss Jazz und Schweizerischer Blasmusikkultur. Das sind das Aliev Bleh Orkestar, eine mazedonisch-schweizerische Grossformation aus Winterthur. Bei den beiden Multiinstrumentalisten Marem Aliev (Saxophon, Klarinette, Zurna, Gajda) und Nehrun Aliev (Klarinette, Akkordeon, Darabuka, Tapan) laufen alle Fäden dieser Gruppe zusammen: «Svirime!» heisst jetzt ihre erste CD – auf Deutsch «Spielen Wir!» Und das tun diese Musiker denn auch: Bekannte Roma-Melodien erstrahlen dank dem präzisem Zusammenspiel und den vielfältigen Arrangements in einem neuen Licht. Im Stück «Postupano Oro» spielt Marem Aliev die in der Schweiz selten zu hörende Gajda, die mazedonische Sackpfeife. Aliev setzt mit diesem Dudelsack zunächst zum Solo an – mit der typischen Bordun-Ton Begleitung. Dann unterdrückt er diesen Bordun  und mündet virtuos in eine vertrackte, Walzer-eske Melodie, und wird jetzt von sehr sanft klingenden Bläsern gekonnt begleitet.  Das Tempo steigert sich kontinuierlich, bis zu einem harten Break. So ist sie diese Musik: Vielfältig, gut gespielt, immer gut für eine Überraschung.
 
www.aliev.ch

 

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03/2010

Elina Duni Quartet

Lume Lume
Meta-Records (2010)


[tbb] Elina Duni und ihr Quartet erreichen immer weitere Kreise. Musikalisch funktioniert dieses Kollektiv hervorragend. Duni ist in Albanien geboren und in Genf aufgewachsen. Sie interpretiert alte Lieder aus Südosteuropa, Griechenland und der Türkei vielseitig neu. Ihre herausragenden Weggefährten, die Jazzmusiker Colin Vallon (Klavier), Bänz Oester (Kontrabass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug), tauchen mit ihr durch ganz unterschiedliche Klanglandschaften: Sie experimentieren einmal mit Zwischentönen und Geräuschen, münden dann in konventionellere Jazzpassagen und begleiten plötzlich zupackend und kräftig akzentuiert. Die poetischen Melodien, die Duni mit ihrer kräftig strahlenden Stimme natürlich und verspielt singt, gleiten nie in eine klischierte oder gar kitschige Weltmusik ab. Live und auch auf der neuen CD „Lume Lume“ kommt dieses dichte Zusammenspiel wunderbar zur Geltung. Das Quartet wird in den nächsten Jahren von der Pro Helvetia prioritär für Auslandkonzerte unterstützt und gleichzeitig von bee-promotion, der neuen Agentur des verdienstvollen Berner Konzertveranstalters und Musikförderers Jakob Flükiger, gemanagt. Man darf gespannt sein, wohin die Reise geht.

 

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01/2010

Kabul Ensemble

Taranom
Rameshgar/ENJA
(2009)


[tbb] Endlich ist sie da: Die neue CD des Ensemble Kabul aus Genf. Der Vater - Hussain Arman - , sein Sohn - Khaled Arman – und seine Tochter - Mashal Arman - schwelgen in Erinnerungen an die einst so lebendige Musikszene Afghanistans der 1960er Jahre. Ihre Musik klingt wunderschön sperrig. Stolz, fast etwas stur, schreitet sie in mittleren Tempi stetig voran. Khaled flechtet mit seiner erdig klingenden Laute Rubab ungeschliffene Melodien ein. Hussain und Mashal singen mit warmen und leuchtenden Solostimmen. Roh und doch geschmeidig klingt diese wunderschöne Musik. Die Lieder sind voller Fernweh: nach der kulturellen Vielfalt, Tiefe und Magie einer Heimat, die seit zu vielen Jahren nur mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam macht. Das Ensemble Kabul hat auf vielen Konzertbühnen der Welt gespielt und 2003 sogar den BBC World Music Award gewonnen. Man darf gespannt sein, was die Gruppe mit dieser neuen CD erreichen wird.

 

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01/2010

Ken Zuckerman and Friends

Modal Tapestry
Living Music Traditions & SWR (2009)


[tbb] Ken Zuckerman gilt derzeit als einer der besten Spieler der indischen Laute Sarod. Der Amerikaner leitet seit vielen Jahren in Basel das Ali Akbar Khan College of Music. Er ist ein Könner des musikalischen Dialogs über kulturelle Grenzen hinweg. Seine CD «Modal Tapestry» offeriert zwei wunderbare Konzertaufnahmen aus den Jahren 2000 und 2009, eingespielt von einem gemischten Ensemble aus indischen, thailändischen, europäischen und amerikanischen Musikern und Mitgliedern der Symphonieorchester von Baden-Baden und Freiburg. Bei der Aufnahme «Modal Tapestry 1» aus dem Jahr 2000 lassen sich die Musiker sehr viel Zeit. Sie improvisieren, schwelgen im Klang und finden ganz langsam zu einer gemeinsamen Melodie. Diese wird dann vom Streichorchestern aufgegriffen und untermalt. «Modal Tapestry 2» von 2009 wirkt direkter. Die Themen werden schneller angesteuert. Sie sind länger, verworrener und komplexer. Die musikalische Annäherung gelingt in beiden Kompositionen: Die Musiker nähern sich behutsam, klingen vielseitig und nie plakativ. Ein dichtes Zusammenspiel von pointierten Charakterstimmen. Meistens gemächlich, zurückhaltend und doch immer prägnant.

 

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11/2009

Ayres

Taylan Arikan & Julio Azcano
Greenhorn Records 2009


[ma] Filigran gleiten zwei Paar Hände über zwölf Saiten einer klassischen Gitarre und einer anatolischen Langhalslaute, der Bağlama. Der Rhythmus pulsiert oft stürmisch, dann wieder fliesst er in melancholischer Ruhe, mit grosser Präzision und Virtuosität fügen die beiden Musiker komponierte Melodien und improvisierte Variationen zu intensiven Musikstücken in der Tradition der spektakulären Begegnungen legendärer Gitarristen seit 1980. Elemente aus anatolischer Volksmusik, Klassik, Flamenco und Jazz fliessen wie selbstverständlich ineinander, und immer wieder überrascht die hierzulande eher aus der Folklore bekannte Bağlama, welche in den Händen des in Istanbul aufgewachsenen Taylan Arikan grosses musikalisches Potential entfaltet. Ihr metallischer Klang wird durch die vom Argentinier Julio Azcano souverän gespielte klassische Gitarre bestens geerdet, im Zusammenspiel entfalten sich eine grosse Klangdynamik und spannende Dialoge zwischen zwei bisher selten zusammen gehörten Saiteninstrumenten. Und zwischen zwei talentierten Musikern, auf deren Konzerte wir uns freuen dürfen.

 

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10/2009

Madou Zerbo

Layidou (2009)
New Healing Sounds


[tbb] Die CD von Madou Zerbo beweist es in ihren schönsten Momenten: Interkulturelle Musik kann organisch, verspielt und vielleicht sogar neu klingen. Im Titelstück «Layidou» treffen sich Adolphe Kinda auf dem Balafon und Marc Liebeskind auf der elektrischen Gitarre zum intimen musikalischen Dialog. Sie spielen ihre Melodien mit kleinen Verzögerungen und Beschleunigungen und knüpfen so ein sich ständig leicht verschiebendes musikalisches Geflecht. Madou Zerbo steht im Zentrum dieser Musik, ein 1970 in Burkina Faso geborener Musiker und Sänger. Er stammt aus einer Familie von Griot-Preissängern. Schon früh spielte er die Kamélé N’Goni, eine Harfenlaute (ähnlich wie die bekannte Kora), die mit der Kaste der Jäger assoziiert wird. Seit 1997 lebt Madou Zerbo in Genf und setzt sein Repertoire mit Musikern aus der Region und aus Burkina Faso um. Auf «Layidou» experimentiert er mit verschiedenen musikalischen Konstellationen: Einmal steht Madou Zerbo ganz Nahe am Mikrofon und singt und rezitiert Texte im Stil der Griots; dann spielt er sein sperriges Instrument solo und verdreht musikalische Phrasen in verschiedene Richtungen; schliesslich singt er zu Blues-Phrasen und zu «indisierenden» Klängen der Sitar-Gitarre. Noch findet das Ensemble zwar nicht in jeder Konstellation denselben Spielfluss wie im Titelstück. Auf die weitere Entwicklung dieser Working Band darf man aber gespannt sein.

 

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09/2009

Praed

The Muesli Man

Creative Source Recordings (2009)


[tbb] Der Berner Klarinettist und E-Bassist Paed Conca und der libanesische Kontrabassist und Elektro-Akustiker Raed Yassin haben 2006 am Internationalen Festival für Freie Improvisierte Musik «Irtijal» in Beirut zum ersten Mal zusammen gespielt. Seither zeigen sie im Duo Praed auf, was aus einer langen interkulturellen Zusammenarbeit auch entstehen kann: Dichte, collagenartige Musikstücke, bei denen der Zuhörer zunächst einmal sehr wenig versteht. Die erste CD von Praed startet mit dem Stück «The Man who lost all his Friends (with Japanese Subtitles)» - es ist unterteilt in 34 Abschnitte zwischen 17 und 49 Sekunden. Wir hören zunächst Salven von Gewehrschüssen mit grossem Nachhall. Einer schreit wie am Spiess – oder erbricht er sich? Dazwischen erkennen wir präparierte Kontra- und E-Bässe, virtuose Klarinettenläufe, Elektronika-Sounds, im Loop kreisende Tape-Aufnahmen, die Tonspur aus alten ägyptischen Filmen, politische Reden von Gamal Abdel Nasser und kitschige Popmusik aus dem libanesischen Bürgerkrieg. Zusammengehalten wird dieser akustische Irrsinn durch eine grosse Zahl von Schnitt-, Spiel- und Bearbeitungstechniken. Der Soundtripp steht einerseits ganz im Zeichen der Freien Improvisation, andererseits knüpfen Samples und Patchwork-Ästhetik Links zu Hörerinnerungen aus der arabischen Welt und dem Libanesischen Bürgerkrieg. Live unterstützen Conca und Yassin ihre Musik mit bewegten Bildern aus arabischen Filmen und TV-Serien.

 

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08/2009

Marcelo Nisinman

Desvios
mit Carlos Trafic
Acqua Records (2009)


[tbb] Marcelo Nisinman nutzt sein Bandoneon voll aus: vom kaum hörbaren Pfeifen bis zum lauten und unbarmherzigen Cluster-Sound. Einmal verschafft sich sein Instrument mit einem lauten Schnauben Platz – neben einer verzerrten Gitarre, einem Free Jazz mässig gezupften und gestrichenen Kontrabass und einem lauten Schlagzeug. Dann spielt das Bandoneon die an Piazzolla erinnernden melancholischen Melodien des Tango Nuevo. Und schon bald taucht es in dissonante Klangwelten ab. Marcelo Nisinman ist 1970 in Buenos Aires geboren. Heute lebt er in Basel und ist mit einer der spannendsten Komponisten und Musiker überhaupt, die aus dem Erbe des Tango heraus neue musikalische Wege suchen. Auf seiner neuesten CD «Desvios» schafft er eine unberechenbare Ensemblemusik. Die CD vertont Texte von Carlos Trafic: Spanischsprachige Sprecher schreien spitz und die Sänger singen gewaltige Opernarien. Dann wieder pendeln die überraschenden Instrumentalstücke irgendwo zwischen experimentellem Jazz, Neuer Musik, Tango Nuevo, Poesie und Klamauk. «Desvios ist eine kurzes satirisches Tango Theater» schreibt Nisinman im CD-Booklet. Das Projekt ist sehr toll geglückt.

 

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08/2009

Lingling Yu

Xu Lai
Musique classique chinoise
(2009)


[tbb] «In der chinesischen Kunstmusik hat jeder einzelne Ton hat seine spezielle Funktion, seinen speziellen Geschmack. Nicht die Partitur prägt ein Stück, sondern das Innere des Musikers. Der Interpret macht die Musik unsterblich», erzählt Lingling Yu im Gespräch. Auf ihrer neuen CD Xu Lai wird dies überklar. Die einzelnen Töne und Melodien sind mit grösster Präzision gesetzt. Das Spektrum an Verzierungen und Klangfarben ist schlicht verblüffend. Mal scheinen die Töne zart auf der Zunge zu vergehen, dann wieder wirbeln sie laut und sind voll von Nebengeräuschen. Die Südchinesin Ling Ling Yu lebt seit 1998 in der Schweiz. Sie will chinesische und westliche Musik verknüpfen. Sie hat durch ihr Studium der westlichen E-Musik eine neue Sicht auf die chinesische Musik gewonnen und präsentiert die Musik der antiken chinesischen Laute Pipa heute zwischen asiatischer und westlicher Musik. Die zwei Welten hat sie in ihrem Spiel organisch verbunden. «Ich denke, man kann Kunst nur vorantreiben, wenn man andere Kulturen und künstlerische Traditionen kennen lernt. In der Tao-Philosophie heisst es, wer sich kennen will, muss zuerst die anderen kennen.»

 

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07/2009

Kasbah Rockers

with Bill Laswell
Barbarity 028
Barraka el Farnatshi


[tbb] Das Basler Label Barraka arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle von nordafrikanischer und elektronischer Musik. Die CD Kasbah Rockers offeriert nun eine Art Best-Off des Labels. Mit dabei sind langjährige Wegbegleiter wie die marrokanischen Musiker Youssef El Mejjad von Amira Saqati, Abdelaziz Lamari und Abdelkader Belkacem von Maghrebika und die junge türkische Sängerin Oezlem Ylmaz, Kadir & Erdem von der schweizerisch-türkischen HipHop-Crew Makale. Der renommierte Dub-Produzent Bill Laswell spielt auf elf Stücken griffige E-Bass-Linien, und der Basler Produzent Pat Jabbar hat alle Ingredienzien zusammengefügt. Die musikalische Reise durch Dance-Musik und Rai’n’B klingt direkter als auch schon. Die Sounds sind weniger stark manipuliert und die nordafrikanischen bis türkischen Einflüsse werden zu einer geradlinigen, teilweise rockigen Musik verknüpft. «Ayna» zeigt diese neue Tendenz im Schaffen von Barraka vielleicht am deutlichsten. Hier entsteht aus einem stampfenden Beat, Darabukka-Trommelrhythmen, synthetischen nahöstlichen Streichern und deftiger Elektronika ein kompromissloser Dancefloor-Track.

 

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06/2009

Lariba

Como Lo Ves (2009)
www.lariba.ch

 


[tbb] «Como Lo Ves» heisst die erste CD von Lariba. Die multinationale Gruppe setzt sich aus Musikern aus Kuba, Brasilien, Mexiko und Italien zusammen. Der Zürcher Perkussionist David Stauffacher hat sie zusammengebracht und die neue CD auch produziert. «Ich wollte sämtliche Musikstile, die mir gefallen, in einer Band vereinigen», sagt er in einem Interview. Dies ist ihm gelungen. Auf dem Album hören wir einen vielseitigen Mix aus lateinamerikanischen Rhythmen und Melodien, gespickt mit Bläserpassagen, Rap und Gesang in Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Englisch. Dank den sehr überzeugend aufspielenden Musikern entsteht ein dichtes, zuweilen komplexes musikalisches Gewebe. Besonders überzeugend spielt Lariba zwischen Ragga und Salsa-Stilen und streut virtuose Rap-Passagen ein. Sehr erfrischend wirken auch die Umsetzungen brasilianischer Musik. Die Gruppe hat großes Potential. Sie hat sich im Internet bereits sehr gut vernetzt und man darf auf ihre weitere Entwicklung gespannt sein. Ein überzeugendes Debütalbum.

 

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06/2009

Kamilya Jubran

Makan (2009)


[tbb] "Eingesperrt und eingepfercht müssen die Zuchtgänse mit ansehen, wie die freien Wildgänse hoch am Himmel vorbeiziehen; jeder Flügelschlag scheint sie zu verspotten." Diese Zeilen des marokkanischen Dichters Hassan Najmi sind eine Metapher auf das 21. Jahrhundert. Sie sprechen von den Armen, die in ihrem eigenen Land eingesperrt sind, und von den Reichen, Intellektuellen oder Kosmopoliten, die ausreisen und die Welt entdecken können. Die Sängerin Kamilya Jubran, die Najmis Gedicht vertont und interpretiert, gehört eher zu den letzteren – leicht ist ihr Leben deshalb auch nicht. Jubran, Palästinenserin mit israelischem Pass, lebt seit 2002 zwischen Paris und Bern und verbringt viel Zeit auf Ämtern, wo sie für eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis im Schengen-Raum kämpft. Von fernen Ländern sieht sie selten viel mehr als das Konzertlokal. Auch sie reist vor allem in Gedanken - und in der Musik, wie etwa auf ihrer neuesten Solo-CD «Makan» (Ort). Jedes Stück wurde an einem anderen, ganz speziellen Ort in Grenoble aufgenommen – in «Nabd» (Puls) stehen wir mitten in einem Wald; wir hören eine Biene vorbeifliegen und Grillen zirpen. Jubran singt Gedichte von vier befreundeten zeitgenössischen Dichtern aus Palästina, Irak, Marokko und Senegal. Mit ihrer wandelbaren, präzisen Stimme trifft sie den Ton dieser Texte ganz präzis und begleitet sich selber mit prägnanten Oud-Melodien und –Riffs. Sie erinnert sich an Orte, Geschichten, Gerüche und Töne. «Wäre ich doch meine eigene Sprache. So könnte ich ausdrücken, was ich alles in mir verborgen habe», rezitiert sie an einer Stelle. Ein letztlich unerreichbares Ziel, das sie ständig antreibt. Zuhause ist Kamilya Jubran nur in ihren eigenen Melodien.

 

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05/2009

King Kora

Mandingda
(2009)


[ma] Vor drei Jahren wurde das Projekt von der Pro Helvetia im Rahmen ihres Wettbewerbes "swixx" ausgezeichnet, nun sind davon 12 Originalkompositionen und drei Remix-Tracks zu hören: Mandingda, die dritte CD der afro-helvetischen Band "King Kora", ist kürzlich mit dem Untertitel "Electric Band" im Moods Zürich getauft worden. Der über Jahre von Lamin Jobarteh und Roger Greipl entwickelte King Kora-Groove wird auf dem neusten Album mit einiger Elektronik und zahlreichen Gästen angereichert: von den Rapperinnen Godessa aus Südafrika, über die Tansania-Zürcherin Namusoke bis zur Soul-Sängerin Brandy Butler aus Philadelphia. Aufgenommen in Zürich und Bundung (Gambia), abgemischt und produziert von Dan Suter, präsentiert uns das Album auch ein House-inspiriertes Stück und Bonus-Track-Remixes von DJ Lefty, drei Titel, hemmungslos durch den Electrowolf gedreht. Insgesamt ein Album, welches auf erfrischende Art vom Reifeprozess der Gruppe bezeugt.

 

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03/2009

Cie Djinn Djow

Siniya Na Kònò
(CD, 2009)
Rythmes et danses métisses
(Buch, LEP Editions, 2009)


[ma] Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen hat die von Vincent Zanetti und Anne-France Brunet gegründete schweizerisch-afrikanische Musik- und Tanzcompagnie Djinn Djow die erste CD unter ihrem Namen und dazu auch ein schön gestaltetes und reichhaltig bebilderten Buch publiziert. Darin wird ausführlich die Geschichte der Gruppe, ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem 2004 verstorbenen Meister des Djembé, Soungalo Coulibaliy, und auch Hintergründe von Musik und Tanz in Westafrika dargestellt. Mit dreizehn Kompositionen auf der CD offenbart Djinn Djow ihr Verständnis von "musique metisse". Ins Ohr setzt sich als erstes die wunderbare Stimme von Sidikia Coulibaly, unterstützt von elektrischen und akkustischen Gitarren, afrikanischer Laute (Jeli N'Goni) Harfenlaute (Kamele N'Goni) und sorgfältig dosierter Perkussion. Trompete und Klarinette setzen Akzente in mehreren instrumentalen Stücken zwischen traditionellen Rhythmen und jazziger Phrasierung. Ein gelungenes Album, auf welchem die Früchte einer jahrelangen intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen musikalischen Traditionen genossen werden können.

 

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03/2009

Sinan Antoon

Irakische Rhapsodie (I’jaam)
Roman, aus dem Arabischen von
Hartmut Fähndrich (ca. 200 Seiten)
Lenos-Verlag | Der Andere Literaturklub


Furât, inhaftierter Anglistikstudent und angehender Schriftsteller, bekommt von einem Mitinsassen unbeschriebene Blätter zugesteckt, die er in einer unleserlichen Schrift zu füllen beginnt. Ein gefährliches Unterfangen. Das Land befindet sich im Ersten Golfkrieg, das totalitäre Regime duldet keinerlei Kritik. Im Gefängnis ist Furât Folter und Demütigungen ausgesetzt. Die weißen Seiten geben ihm ein Stück Freiheit zurück. In faszinierendem Wechsel zwischen Erinnerung und Gegenwart, Angst- und Wunschträumen schildert der junge Mann das Leben der Studenten voller abstruser Verordnungen und Verbote, aber auch die glücklichen Momente mit seiner Geliebten Arîdsch und seiner Großmutter – zwei unangepassten Frauen. 

Sinan Antoon wurde 1967 als Sohn eines irakischen Vaters und einer amerikanischen Mutter geboren, seit 1991 lebt er in den USA. Er schreibt Gedichte (The Baghdad Blues 2007) und Essays. Antoon ist auch als Übersetzer und Dokumentarfilmer (About Baghdad, 2004) tätig. Der Assistenzprofessor an der New York University ist 2008/09 „Fellow“ am Wissenschaftskolleg zu Berlin.


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02/2009

U_TROPIC

Musik para Woyzeck
(2009)


[ma] Ausdrucksstarke elektronische Sounds, fette Rhythmen, eindringliche Stimmen, eine virtuose Trompete und intelligente Texte von Georg Büchner: U_Tropik ist als Live-Musik zum "karibischen" Woyzeck entstanden, welcher von Andrea Novicov inszeniert und anfangs 2009 in Genf uraufgeführt worden ist. Die nun auf CD vorliegenden elf Kompositionen sind ein echter Hörgenuss und zeugen von einem höchst kreativen Umgang mit lateinamerikanischen Rhythmen. Die meist schlichten Arrangements lassen viel Raum für Worte und Melodien und laden auch immer wieder zum Tanz ein: darfs ein Bolero, eine Cumbia oder eine Samba sein? Sind Sie eher an Einzelheiten des Nervensystems oder am Lobgesang auf die sterbende Liebe interessiert?

Die Sängerin Tania Nerfin, Andrès Garcia am Keyboard, Jorge Mendelievich am Bass und zusammen mit Julio D'Santiago an diversen Perkussionsinstrumenten sowie der Trompetist Renaud Gensane haben einen Soundtrack zu einem klassischen Drama geschaffen, den es hoffentlich bald auch als Konzert zu geniessen gibt.

 

PLAY: Système nerveux Play     PLAY: Correspondencia Play      
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01/2009

Auf der Suche nach dem Orient

Du Kulturmagazin Nr. 793
Februar 2009

www.du-magazin.com 


[ma] Die sehr schön gestaltete Februarnummer des Kulturmagazins "Du" dreht sich rund um die Wahrnehmung des zeitgenössischen Kulturschaffens in islamisch geprägten Ländern, eine Reise zum "Mythos Orient", wie es die Herausgeber formulieren. Zu Wort kommen die Verantwortlichen der grossen Ausstellungen "Islamische Bildwelten und Moderne" in Martin-Gropius-Bau Berlin und "Auf der Suche nach dem Orient" im Zentrum Paul Klee in Bern; der Wiederkehr des Ornaments in der Kunst oder den Spuren der aktuellen Fotografie im Iran wird nachgegangen; der Musikwissenschaftler Thomas Burkhalter stellt eine ganze Reihe von AutorInnen neuer Sounds aus Beirut und Kairo vor und die Kunsthinstorikerin Anna Bürkli untersucht das Wirken des Pro Helvetia-Verbindungsbüros in Kairo. Insgesamt dreizehn spannende Texte und zahlreiche beeindruckende Abbildungen machen das Heft zu einer empfehlenswerten Lektüre.


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12/2008

el-sabr gameel

Regula Schneider (cl), Paul Giger (v), Anna Spina (v), Walter Grimmer (vc), Amal Ayyad (qanun), Ahmad Arnab (kawala), Fikri el-Qinawi (rababa), Khaled Abo Hegazi (perc).
Musiques Suisses (2008)


[ma] "Geduld bringt Rosen" (el-sabr gameel) hiess das von Pro Helvetia und ihrem Büro im Kairo initiierte Austauschprojekt zwischen hochkarätigen Musikern aus der Schweiz und Aegypten. Komposition und Improvisation, mit Noten und schriftlos vermittelte Musik, westlich temperierte und arabische Tonleitern mit Dreivierteltonschritten, Musikstücke von Schweizern und von Aegpytern: In mehreren Begegnungen, Workshops und Konzerten haben sich die Beteiligten auf die unterschiedlichen Traditionen eingelassen, voneinander gelernt und den Dialog über musikalische Sprachgrenzen gesucht und dabei sehr viel über die eigene Kultur gelernt. Das vom Migros Kulturprozent geführte Label "Musiques Suisses" legt nun die Aufnahmen aus dieser Begegnung als CD vor, mit ausführlichen Erklärungen zu Ideen und Konzepten im Booklet. Doch das Projekt ist nicht nur auf dem Papier spannend: Entstanden sind einige musikalisch wunderschöne Stücke, die weit mehr sagen als viele Worte.

 


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11/2008

Peter John Kofi Donkor

Krakutu Power Sounds
(2008)


[ma] Eigentlich wurden die Aufnahmen bereits 1999 gemacht, aber der Drummer Peter John Kofi Donkor hat sich viel Zeit genommen, um seine eigene Sammlung traditioneller Rhythmen und Gesänge aus verschiedenen Regionen Ghanas der Öffentlichkeit vorzulegen. Und es hat sich gelohnt: Gelungen ist ein fein produziertes Album mit einem Booklet, das wichtige Hinweise zur Herkunft und Funktion der einzelnen Stücke liefert und uns eine eindrückliche Vielfalt von Rhythmen, Gesängen und instrumentalen Arrangements offenbart. Peter John Kofi Donkor, der seit über 10 Jahren auch in der Highlife-Gruppe "Akapoma" von Luis Dogbe mit von der Partie ist, vermittelt sein grosses Wissen über traditionelle Musik Ghanas regelmässig in Workshops in der Schweiz. Die vorliegende CD wird diese Arbeit wunderbar unterstützen.

 


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10/2008

Regina Ribeiro

"Relacionamentos"
(2008)


[ma] Mit grosser Sorgfalt hat die in Bern lebende Brasilianerin Regina Ribeiro ihre erste CD eingespielt. Während mehreren Jahren hat sie erst ihre Musik mit verschiedenen Formationen auf der Bühne reifen lassen. Schliesslich ist sie mit Musikern wie Luis Ribeiro, Mauro Martins, Toni Schiavano, Bärni Häberlin, Simon Ho, Elias Moreira und Leo Montana ins Studio gegangen und hat unter der musikalischen Leitung des erfahrenen Musikers und Produzenten Glaucus Linx neun Kompositionen aufgenommen, mehrheitlich Stücke, die die Sängerin selbst geschrieben hat und auf dem eher langsamen afro-brasilianischen «Afoxé» gründen. Glaucus Linx ist es ausgezeichnet gelungen, die Stimme der ursprünglich als Tänzerin ausgebildeten Sängerin subtil zur Geltung zu bringen, umrahmt von rhythmisch verspielten Arrangements und einem feinen Schuss Elektronik. Ein hörenswertes Album brasilianischer Soul Music.

 


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09/2008

Mahmoud Turkmani

"Ya Sharr Mout"

Dokumentarfilm von Sabina Gisiger (DVD)
www.dschointventschr.ch


[tb] Er sei ein Verräter der arabischen Musik und Kultur, schrien die Musikologen am Internationalen Kongress für Arabische Musik in Kairo. Turkmani hatte mit einem ägyptischen Ensemble die arabische Kunstmusikform «Muwashahat» anders, neu spielen wollen. Noch in der Nacht polterten die Wissenschafter an seine Hoteltür. Dies erzählt Turkmani im Dokumentarfilm der Zürcher Filmemacherin Sabine Gisiger ganz zu Beginn. Der Film führt uns in ausdrucksstarken Bildern durchs Leben und Schaffen des mittlerweile in der Schweiz lebenden Libanesen. Turkmani hat im Bürgerkrieg gekämpft, sich mit seinem Vater zerstritten, in Moskau studiert, und schliesslich ist er in der Schweiz gelandet. All dies spielt in seiner audiovisuellen Performance «Ya Sharr Mout» mit – das begreift man im Film. Seine Wut, Traumata, Schuldgefühle und Nostalgien treten abstrakt, in audiovisuellen Assoziationen voller Dissonanzen und Unschärfen neu hervor. Ein sanfter Wind voller Sehnsucht schwebt über allem. «Die Schönheit ist gestorben in diesem Land», singt Nisreen Hmaidan und rezitiert einen Text von Nadia Tuéni. Die Antwort an die Musikwissenschafter aus der arabischen Welt wirkt sehr persönlich, oft sanft und zerbrechlich, irgendwie traurig, und äusserst reif.


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09/2008

Hekiat

"Armenian Stories"
TCB (2008)


[ma] Die armenisch-schweizerische Gruppe Hekiat entstand aus einer zufälligen Begegnung während dem Swiss Jazz Festival in Damaskus im Sommer 2005. Der Basler Jazz-Pianist Oliver Friedli springt spontan ein, um die armenische Sängerin Houry Dora Apartian zu begleiten, deren Pianist ausfällt. Es beginnt eine Freundschaft über die Musik hinaus, und zwei Jahre später zieht die Sängerin nach Basel, mit einer Menge Geschichten und Melodien im Gepäck. Lieder, die sie als Kind von ihrem Vater lernte, andere, die seit dem Genozid von 1915 als kulturelles Erbe des armenischen Volkes überall auf der Welt gepflegt werden. Diese Melodien sind Ausgangspunkt der ersten CD von Houry Dora Apartian, sorgfältig arrangiert und interpretiert von einem Schweizer Jazz Quartett mit Oliver Friedli am Piano, Alex Hendriksen am Saxophon, Michi Stulz am Schlagzeug und Fernando Fontanilles am Bass. Neun feine Songs, die gekonnt die Spannung zwischen Volkslied, christlichem Chorgesang und Jazz ausloten.

 


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08/2008

Gegen die Flut

Roman von Yusuf Yesilöz
220 Seiten gebunden
www.limmatverlag.ch


Der Kurde Alan lebt seit Jahren nicht mehr in seinem Heimatdorf, er ist überzeugt, auch die Normen und Traditionen zurückgelassen zu haben. Doch seine Welt gerät gänzlich aus den Fugen, als er von seiner Frau erfährt, dass sie ein Verhältnis gehabt hat. Er sieht keinen anderen Weg, als sich von Frau und Kindern zu trennen. Verschwunden ist die Grosszügigkeit, die er in all den Jahren zu entwickeln versucht hat, es bleibt nur noch eine tiefe Verletzung, die er als Mann nicht überwinden kann. In der Begegnung mit der Türkin Meryem sucht er neuen Boden, muss aber rasch erkennen, dass es so nicht geht. Vielmehr holt ihn seine Vergangenheit ein, die erste Ehe – er wurde gezwungen, eine Cousine zu heiraten – und die Tochter aus dieser Ehe.

Yusuf Yesilöz erzählt die Geschichte von Alan und Meryem in melancholischem Ton, leise, ohne Anklage und mit grosser Kenntnis der verschiedenen Welten, in denen sich die Personen bewegen. Dass Alan behutsam eine Annäherung an seine ältere Tochter gelingt, öffnet den Weg in die Zukunft.


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08/2008

Doctor King'esi

"Tulia" (2008)


[ma] Tulia heisst auf Kisuaheli Geduld, und mit viel Geduld hat der kenianische Songwriter Doctor King'esi seine bereits elfte CD aufgenommen. Viele dieser Alben hat er mit einfachsten Mitteln bei sich zu Hause produziert, doch für Tulia ist er wieder in ein professionelles Studio gegangen. Denn neben seiner Stimme mit Gitarrenbegleitung hat er selbst auch die Sologitarre, den Bass und die Perkussion eingespielt. Entstanden sind vierzehn schöne Songs, feine Arrangements und ein stimmiger Sound, der seinen Eigenkompositionen bestens Ausdruck gibt. Doctor King'esi, der seit fünf Jahren in Thun lebt, ist vor allem als Strassenmusiker unterwegs. Mit seinem eigenen Stil, in welchem Spuren verschiedener afrikanischer Musiktraditionen zu finden sind, war er aber auch widerholt am Afropfingsten-Festival zu hören.

 

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07/2008

Omri Hason & Kadim

"Shati"
Double Moon Records (2007)


[ma] Bereits Ende 2007 erschienen, aber erst vor kurzem in unserer Mediathek eingetroffen ist die zweite CD des in Bern lebenden israelischen Perkussionisten Omri Hason zusammen mit seiner interkulturellen Gruppe Kadim. Mit dem Ziel, asiatische Rhythmik mit improvisatorischen Klangreisen des Jazz zu verbinden und musikalische Brücken zu bauen, treffen Omris nahöstliche Perkussionsinstrumente und sein Berner "Hang" auf die zwischen indischer Klassik und Jazz oszillierende Stimme von Sandhya Sanjana, die wunderbare, ebenfalls stark von indischer Musik beeinflusste Geige von Zoltán Lantos aus Ungarn, die indischen Trommeln von Ramesh Shotam und ein Fender Rhodes Elektropiano des Holländers Maarten Meddens. Shati präsentiert neun rhythmisch fein gesponnene Kompostionen, meistens aus der Feder oder bearbeitet von Omri Hason, in denen die Frauenstimme oft stark instrumentalen Charakter hat, während die Geige immer wieder für emotionalen Tiefgang sorgt.

 

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07/2008

Rodrigo Botter Maio & Jazz Via Brasil Group

"Reencontro dos Ventos" (2008)


[ma] Zwar hat der in Zürich lebende brasilianische Saxophonist Rodrigo Botter Maio seit 1993 acht eigene CDs produziert und auf zahlreichen anderen Alben mitgewirkt. Doch mit seiner eigentlichen "Schweizer" Gruppe, die Jazz Via Brasil Group, war er seit 11 Jahren nicht mehr im Studio. Die Arbeit an "Reencontro dos Ventos" hat denn auch fast zwei Jahre gedauert und präsentiert Eigenkompositionen aus den letzten 20 Jahren. Solider Latin-Jazz auf der Grundlage von Rhythmen wie Samba, Baião und Bossa Nova und zwei Abstecher nach Argentinien: eine Chacarera, welche 1989 in Graz während Rodrigos erster Studienzeit in Europa entstand, und ein schöner, stilistisch sich stark von den anderen Kompositionen absetzender Tango aus dem Jahr 1999, in welchem die Geige von Michael Zisman und das Bandoneon dessen Sohnes Michael zu hören sind. Der Schaffhauser Pianist Thomas Silvestri und die beiden Brasilianier Dudu Penz am Bass und Eduardo Costa am Schlagzeug formen zusammen mit Rodrigo den Kern der Gruppe, in zwei Stücken ist die talentierte Sängerin Simone Santos zu hören, welche auch gelegentlich mit der Gruppe auf die Bühne geht.

 

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06/2008

Musikliebe

Ein Film von Yusuf Yesilöz
DVD 53 min.
Vertrieb: artfilm.ch


[ma] Der dritte Film des in Winterthur lebenden kurdischen Regisseurs und Schriftstellers Yusuf Yesilöz ist ein feinfühliges Porträt von drei MusikerInnen, die aus Georgien, der Türkei und Marokko in die Schweiz eingewandert sind. Die klassische Pianistin Tamriko Kodzaia, die Sängerin Ülzü Bozkurt und der Musiker Samir Essahbi erzählen auf sehr persönliche Art ihre Geschichten vor und hinter der Bühne und machen deutlich, dass diese so vielfältig und unterschiedlich sein können, wie die Musik dieser Welt es selbst auch ist. Gemeinsam mag vor allem eines sein: das Bedürfnis und der Wille, ernst genommen zu werden in dem, was man mit grossem Engagement tut.

 

"Musikliebe" wurde am 13. April im Klanghotel auf SF 1 gezeigt und liegt nun auf DVD vor. (Deutsch, Türkisch, Georgisch mit Untertiteln auf Deutsch, Französisch oder Englisch)


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05/2008

Alle gehen fort

Wendy Guerra
Lateinamerika-Verlag (292 S.)
ISBN 978-3-9522966-4-6


Mit «Todos se van» legt die in Kuba vor allem als Schauspielerin und Lyrikerin bekannte Wendy Guerra ihren ersten Roman vor. Das Tagebuch von Nieve Guerra, Alter ego der 1970 geborenen Autorin, umfasst die Jahre 1978 bis 1990, eine Zeit, in welcher die Kinder der Kinder der kubanischen Revolution im Spannungsfeld zwischen staatlich verordneten Verboten und Verpflichtungen und dem Wunsch, am wirtschaftlichen, intellektuellen und künstlerischen Leben ausserhalb Kubas teilzunehmen, ihren Platz im Leben suchen. Für Nieve wird das Tagebuch zum einzigen Ort auf der Welt, in dem sie frei vom Druck der Kontrolle ihre Erlebnisse, Beobachtungen, Träume und Pläne festhalten kann. Während viele ihrer Bezugspersonen weggehen, bleibt Nieve mit ihrem Tagebuch, ihrem einzigen Refugium, in Havanna zurück.
Der Roman „Alle gehen fort“ ist Teil des Programms des ANDEREn Literaturklubs.


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04/2008

Elina Duni

"Baresha"
meta records (2007)


Während ihrem Studium an der Hochschule für Jazz in Bern hat die albanische Sängerin Elina Duni die Musiker kennen gelernt, welche sie auf ihrer neusten CD und in ihren Konzerten begleiten: Colin Vallon am Piano, Bänz Oester am Bass und der Schlagzeuger Norbert Pfammater. Ein luxuriöses Begleittrio für eine vielversprechende Sängerin, welche stil- und selbstsicher traditionelles Liedgut aus dem Balkan mit Jazz verbindet. Mit elf Jahren zog sie zusammen mit ihrer Mutter nach Genf, studierte Musik und verbrachte auch einige Zeit in New York. Die 13 Stücke auf "Baresha" zeugen von den verschiedenen Stationen ihres bisherigen Werdeganges: neben traditionellen Melodien aus Albanien, Griechenland, Kosovo und Bulgarien sind auch Kompositionen von Serge Gainsburg und Léo Ferré zu hören, welche Elina Duni singt, als wären sie für sie geschrieben worden.

 

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04/2008

Naghma

"Bab Sahara"
(2008)


Bab Sahara ist die zweite CD der Gruppe des marrokanische Sängers und Musikers Majid Tiken und der Schweizer Saxophonisten Monika Tiken, in welcher auch Samir Essahbis Brüder Kamal und Khalid aktiv sind. Stärke von "Naghma" sind mit Bläsersätzen arrangierte Gnawa Rythmen, eine Musik, die über afrikanische Sklaven nach Marokko gelang und traditionell den Trance-Zeremonien dient. Die interessante Stimme Majids kommt auch sehr schön in der Ballade Massabo oder dem lateinamerikanisch inspirieren Stück Zman zum Ausdruck, was bei einigen englisch gesungen Kompositionen weniger der Fall ist.

 

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02/2008

Kara

"Welti Bamboulé"
(2008)


Mit zahlreichen Gastmusikern aus seiner senegalesischen Heimat, der Casamance, hat Kara seine dritte CD als Sänger und Songwriter eingespielt. 12 Jahre tourte er als Tänzer durch die ganze Welt, liess sich 1996 in Genf nieder und startete mit dem Tanz- und Perkussionsensemble Keur Sénégal ein erstes Projekt in der Schweiz. Gleichzeitg begann Kara jedoch, Lieder auf der Gitarre zu komponieren und präsentierte 2003 zusammen mit dem Gitarristen Jeremy Tordjman und dem Perkussionisten Oudou Coulibaly die erste Solo-CD "Sante Yallah". Nach vielen erfolgreichen Konzerten in der Schweiz und im Ausland und einer weiteren CD im Jahr 2005 bezeugt das soeben erschienen Album, dass Kara seinen eigenen musikalischen Ausdruck und die richtigen Partner gefunden hat. Aktuelle Musik auf der Grundlage von Rhythmen seines Volkes, der Peulh, schöne Gesänge begleitet von Gitarren, Kora, Xalam, N'Goni und treibender Perkussion.

 

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01/2008

Der nigerianische Highlife

Musik und Kunst in der populären Kultur der 50er und 60er Jahre.
Wolfgang Bender | Edition Trickster im Peter Hammer Verlag


Die letzten Jahrzehnte der Kolonialzeit und die Jahre unmittelbar nach der Unabhängigkeit waren eine überaus fruchtbare Umbruchsphase für Afrika. Es war die Zeit, in der eine populäre afrikanische Kultur entstand. Für das Veständnis des modernen Afrika ist diese populäre Kultur längst maßgeblich geworden. Sie wurde schnell zu dem Ort, wo sich das Nicht-Offizielle, Subversive, Alternative äußern konnte, wo sich Protest und Widerstand vernehmen ließen. Bender zeichnet diese Weg historisch nach: vom Highlife, dem dominanten Musikstil der 60er Jahre bis hin zu Popular Culture, die Künste und Alltag gleichermaßen durchdringt.


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12/2007

Gustavo Delux

"No me apagues la radio"
www.tavogus.com


Für seine zweite CD "No me apagues la radio" (Stell mir nicht das Radio ab) hat der peruanische Musiker Gustavo Nanez prominente lateinamerikanische Kollegen versammelt: Dudu Penz am Bass, Carlos Irarragorri an Gitarre und Tres, der Perkussionist Alejandro Panetta und der Gitarrist Pablo Miguez, sowie Leonardo Govinan an der Posaune und Andrea del Pilar als Background-Sängerin. Son, Merengue, Bachata und Cha Cha Cha prägen dieses musikalisch eher nostalgische Album, auf dem auch viele Texte vom Weggehen, von Trennung und Schmerz handeln. Die Rhythmen hingegen sind voll auf Tanz ausgerichtet, und mit dieser Band hat der durch seine Zusammenarbeit mit der Theatergruppe Kolypan bestens bekannte Gustavo Nanez gute Aussichten, einige Bewegung in die Schweizer Konzertsääle zu bringen.

 

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11/2007

Trio Interkontinental

Narrenschiff 14361 www.narrenschiff-label.ch


A musical bridge heisst die zweite CD, die aus der Zusammenarbeit des Schweizer Klarinettisten Martin Schumacher und dem kirgisischen Musiker Jusup Aisaev (Kniegeige, Langhalslaute, Maultrommel) entstanden ist. Die beiden lernten sich im Jahr 2000 während einer Asien-Tournee der Schweizer Gruppe Kadash kennen, 2004 stiess der tadschikische Perkussionist Adbuvali Ikramov zur Gruppe und aus dem Duo wurde das Trio Interkontinental. Auf der Suche nach Berührungspunkten und Kontrasten zwischen unterschiedlichen musikalischen Schulen und Konzepten interpretieren die drei Musiker traditionelle zentralasiatische Melodien und Rhythmen, aber auch Schweizer Volksmusik oder Kompositionen von Anouar Brahem und Horace Eubanks. Ein kammermusikalisches Projekt, welches der Improvisation viel Raum lässt und einige intensive musikalische Momente hervorbringt.

 


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06/2007

Meduoteran

"Horon"
www.meduoteran.com


[ma] Horon heisst die Debut-CD der beiden jungen Musiker Taylan Arikan und Srdjan Vukašinović, der erste mit türkischen Wurzeln, der zweite aus einer serbischen Familie. In Begleitung der mit drei Doppelseiten bespannten Bağlama (Saz) und einem Knopfakkordeon nehmen uns die beiden Virtuosen in musikalische Welten rund um das Schwarze Meer mit. Kennegelernt haben sie sich an der Musikhochschule in Winterthur und frei von Vorurteilen interpretieren sie traditionelle Volksweisen, aber auch Ideen aus der klassischen Musik oder dem Jazz. Das Resultat ist eine ausserordentlich frische Musik auf hohem Nivau, einmal überbordend tänzerisch, dann wieder tief melancholisch, und manchmal auch ganz einfach spielerisch. Unter dem Namen Meduoteran ist das Duo seit Ende 2006 auf Schweizer Bühnen unterwegs und beweist mit einem überzeugenden Programm, dass es sich hier nicht nur um eine gelungene Studioproduktion handelt.

 

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04/2007

Fatoumata Dembélé

N'naniba (2007)


[ma] Nun ist sie da, ihre erste eigene CD. Fatoumata Dembélé, Sängerin aus Burkina Faso und Mali, hat in den vergangenen Jahren mit der Gruppe Farafina, mit Mamadou Diabaté & Bekadiya oder auf der neusten CD der Gruppe Taffetas auf ihre eindrückliche Stimme und ihre starke Bühnenpräsenz aufmerksam gemacht. Die Musiker von Taffetas, Marc Liebeskind, Christophe Erard und Nana Cissokho, sind denn auch mit von der Partie, aber auch Mamadou Zerbo am N'goni, Nabankur Bhjattacharya an der Tabla, Allaye Diarra am Balafon und Ibou N'Diaye mit der Sabar-Trommel. Eröffnet wird die CD durch ein mit Kora, Gitarre, Bass, Tabla und Flöte arrangiertes Stück (Nanfoulé), am Schluss ist ein nur mit dem N'goni begleiteter Gesang zu hören, welche die musikalische Kraft der Griot-Tradition eindrücklich illustriert. Zwischen diesen Polen sind 10 Kompositionen zu hören, welche sich mit unterschiedlichen Facetten im Spannungsfeld zwischen Tradition und Erneuerung bewegen.

 


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03/2007

Mara Diaibaté, Carlos Dorado,
Ammar Toumi

"Touma Wati" (2006)


[ma] Sehr viel lag dem senegalesischen Koraspieler Mara Diaibaté an seinem neusten Projekt mit dem argentinischen Gitarristen Carlos Dorado und dem algerischen Perkussionisten Ammar Toumi. Erprobt in vielen interkulturellen Gruppen wusste er, dass diese Begegnungen nicht wenig Risiken beherbergen. 21 Saiten der Kora und 6 Saiten der Gitarre, das musikalische Universum der Mandinke und die Harmonien der westlichen Musik bereichern sich erst wirklich, wenn sich die Musiker intensiv mit Struktur und Sinn der verschiedenen musikalischen Sprachen auseinandersetzen. Nach vielen Monaten Proben kündigte Mara Diaibaté Ende November glücklich den Abschluss der CD-Aufnahmen im Studio von Gérard Suter (Radio Paradiso) an. Wenige Tage später verstarb er unverhofft bei seiner Familie in der Casamance. Zurück bleibt uns dieses Zeugnis einer vielversprechenden Arbeit und einige wunderschöne Musikstücke.

 


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02/2007

Kud Meya

"Kud Meya" (2007)
www.kudmeya.com


[ma] Volkslieder aus dem Balkan, von der Adria bis ans Schwarze Meer, bilden das Repertoire des kroatischen Ensembles Kud Meya. Mit Akkordeon, Gitarre, Tambura, Bass und Gesang dringt die Gruppe tief in die Stimmung jeder Komposition ein und erweitert überlieferte Spielweisen mit zeitgenössischen Ideen. Melancholie und Schwermut prägt viele Melodien, doch ab und zu bricht der Rhythmus durch, wird schnell und schneller, die Takte synkopisch, die Instrumente höchst virtuos. Das Ensemble um die Sängerin Tihana Zubek und den Sänger Zvonko Kompes zerstreute sich nach einer erfolgreichen Karriere in Kroation Ende der 90er Jahre in verschiedenen Ländern Europas. Inzwischen leben Boris Klecic (Gitarre), Ivan Nestic (Bass) und Mario Batkovic (Akkordeon) in der Schweiz und haben zusammen mit Martin Kljaic (Tambura) und dem Gesangsduo eine CD mit neuem Repertoire eingespielt.

 

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12/2006

Samir Essahbi

"Live Konzert aus der Mühle Hunziken"

markmaRecords (2006)


[ma] Für die Silvesterparty empfohlen werden kann die Live-CD von Samir Essahbi & Band. Die Aufnahme wurde während dem Konzert vom Dezember 2005 in der Mühle Hunziken realisiert, welches auch im Schweizer Fernshen zu sehen war. Ausser dem Reggae-Ohrwurm "Ayay Ayay" stammen alle Stücke aus Samirs CD "Ne plus te croire" vom Sommer 2005. Mit dabei sind deshalb auch der Berner Rapper Greis im Antikriegs-Stück "La Guerre" und Endo Anaconda in der arabisch-berndeutschen Version von Mani Matters "Sidi Abdel Assar". Mit viel Energie spielt die Band des in Bern lebenden marokkanischen Musikers eingängige Raï-Melodien, angereichert mit Salsa-Elementen, aber auch spannende Gnawa-Rhythmen ("Nabina Mohamed").

 


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11/2006

Taffetas

"Caméléon" (2006)

Taffprod/Asmia
www.taffetas.ch 


[ma] Seit Ende der 1990er Jahre forscht der Genfer Jazzgitarrist Marc Liebeskind in aussereuropäischen Musikwelten, erst in Westafrika, seit einiger Zeit auch in Nordindien. Zusammen mit dem Koraspieler Ibrahima Galissa aus Guinea-Bissau und dem Neuenburger Musiker Christophe Erard am Kontrabass gründete er 2002 die Gruppe Taffetas und veröffentlichte 2005 bei Mostrecords eine erste CD. Soeben ist eine zweite CD erschienen, diesmal mit dem in Winterthur lebenden Nana Cissokho an Kora und Gesang, sowie mit der Stimme von Fatoumata Dembélé, Sängerin der legendären Gruppe Farafina und seit einiger Zeit in der Region Bern beheimatet. Entstanden ist ein Gemeinschaftswerk von vier MusikerInnen mit stark westafrikanischem Couleur, eindrücklichen Stimmen und einigen gelungenen Begegnungen zwischen der saitenstarken Kora und der Gitarre.

 


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10/2006

Loten & Heideroosjes

United Tibet (2006)
CD-ROM


[ma] Der in Bern lebende tibetische Sänger Loten hat zusammen mit der holländischen Punkrock-Gruppe Heideroosjes ein Videclip mit dem Stück "United Tibet" aufgenommen, in welchem harte Gitarrenriffs tibetischen Gesangstechniken begegnen. Schon seit Jahren experimentiert Loten mit Fusionsprojekten verschiedener Art. Nach seinen Konzerten mit dem Saxophonisten Don Li tritt er zur Zeit regelmässig mit dem Berner Schlagzeuger Gilbert Päffgen auf (z.B. am 11.11 um 17.00 am Fest der BollWerkStadt in Bern) und arbeitet auch mit einer deutschen Jazz-Gruppe oder mit Asita Hamidi zusammen.

 

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07/2006

World Music Special Vol. 2

Ein DRS3-Sampler
EMI Music Switzerland


[ma] Direkt auf's Tanzbein zielt der Sampler World Music Special Vol. 2, produziert von der Radioredaktorin und DJ Marianne Berna, welche auf DRS 3 für die gleichnamige Musiksendung verantwortlich ist (immer Donnerstag, 20 - 22 Uhr). Wie sie selbst im Booklet schreibt, die CD "tönt nach Ferien!" Popmusik, welcher man anhört, woher sie kommt. In diesem Fall aus der ganzen Welt: Los de Abajo, The Crucialists, Frank Reyes, Lila Downs, Salif Keita, Susheela Raman... und auch zwei in Schweiz leben Musiker haben es unter diese Prominenz geschafft: Samir Essahbi feat. Endo Anaconda mit der Neuinterpretation von Mani Matters Sidi Abdel Assar, sowie der am Thunersee beheimatete kenyanische Musiker Doctor King'esi, welcher für seine neue CD Hinde noch keinen Plattenvertrag bekommen hat. Zu hören war er bisher vor allem auf der Strasse und an Parties. Nach DRS 3 nun auch hier bei uns!

 


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07/2006

Sounds from Home

Mischpult Schweiz - La Suisse Internationale (2006)
Faze Records


[ma] Sounds from Home - La Suisse Internationale vereinigt 20 Stücke von jungen MusikerInnen, die selbst oder deren Eltern in die Schweiz eingewandert sind und die sich auf unterschiedliche Art mit ihren "Wurzeln" befassen... oder eben auch nicht. Dieser vom Musikjournalisten Thomas Burkhalter für die Zeitschrift terra cognita zusammengestellte Sampler setzt gewissermassen die Sammlung fort, welcher in der CD zum Buch Soukous Kathak und Bachata begonnen wurde. Der neue Sampler legt den Fokus auf die jüngere Generation, präsentiert dementsprechend mehr "Secondos" und viel Rap in zahlreichen Sprachen. Ein dritter Sampler wird demnächst erscheinen: Suisa und Pro Helvetia planen für die Womex 2006, welche im Oktober in Sevilla zu Gast sein wird, unter anderem eine Promotions-CD mit Worldmusic aus der Schweiz.

 


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07/2006

Saadet Türköz

"Urumchi" (2006)

Intakt CD 109
www.saadet.ch 


[ma] Urumchi heisst die dritte CD der in Zürich lebenden kasachisch-türkischen Sängerin Saadet Türköz, aufgenommen in Almaty und Peking. Meist nur in Begleitung einer Dombra, der in Zentralasien verbreiteten zweisaitigen Langhalslaute, präsentiert uns die Sängerin mit der eindringlichen Stimme ein neues Repertoire traditioneller Lieder, welche sie auf ihre persönliche Art überzeugend interpretiert.

 


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07/2006

Khaled Arman

"Afgahanistan Sâzenda" (2006)
Arion


[ma] Ragas und traditionelle Tänze hat der in Genf lebende afghanische Musiker Khaled Arman auf seinem Album Sâzenda eingespielt. Erstmals benutzt er dabei eine vom Schweizer Luthier Luc Breton eigens für ihn konstruierte Rubâb, mit welcher er den Beweis antritt, dass dieses aus dem 18. Jahrhundert stammende Saiteninstrument auch den heutigen Anforderungen von virtuoser Musik genügt. Begleitet vom 26jährigen hochbegabten Tabla-Spieler Siar Hashimi arbeitet der auf der klassischen Gitarre ausgebildete Musiker unermüdlich am Repertoire der afghanischen Musik, welche sich seit den 90er Jahren vor allem ausserhalb Afghanistans entwickelt.

 


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07/2006

Carlos Dorado

"Mi Padre - Evita - La Guitarra"

(2005)


[ma] Der argentinische Gitarrist Carlos Dorado erzählt auf seiner neuen Solo-CD Mi Padre-Evita-La Guitarra auf sechs Saiten die Geschichte seines Vaters, welcher in der 30er Jahren aus Nordspanien nach Buenos Aires zog und als Angestellter einer Autoreparaturwerkstadt die Bekanntschaft einer schönen Eva machte, die später als Evita in die argentinische Geschichte einging. Ein intimes Album eines Musikers, der als Organisator des Festivals "Guitarras del mundo" jeweils zu Jahresbeginn zahlreiche Saiteninstrumente und Musiktraditionen aus den verschiedensten Regionen der Welt nach Pieterlen bei Biel bringt und auch musikalisch oft mit anderen Musikern zusammenarbeitet. Gespannt sind wir auf die Resultate seiner Mitarbeit im neusten Projekt des senegalesischen Koraspielers Mara Diabaté, welches schon bald auf Schweizer Bühnen zu hören sein wird.

 


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10/2005

Nilsa

"Mamã" (2007)

www.nilsamusic.ch 


[ma] Nun ist sie erschienen, die erste CD der mozambikanischen Sängerin und Rapperin Nilsa zusammen mit ihrer Schweizer Band. Sie wurde bereits im Herbst 2004 im Buch "Soukous, Kathak und Bachata" angekündigt, und die Vorveröffentlichung des Stückes "Bouchecleca" auf der CD zum Buch machte neugierig auf die Musik der ehemaligen Sängerin der Gruppe Djovana nach ihrem Umzug von Beira nach Olten. Die Geburt ihres Sohnes Samito liess alles etwas länger dauern als geplant, nun aber kehrt Nilsa zusammen mit ihrem Partner Rolf Mosele auf die Bühne zurück. Auf der CD sind neben "Bouchecleca" weitere gelungene Stücke zu finden, darunter auch eine Komposition, welche in Zusammenarbeit mit Musikern von Djovana entstanden ist. Mit von der Partie sind auch der Schweizer Afro-Reggae-Sänger Famara oder Eric Wainaina aus Kenia.

 


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07/2005

Samir Essahbi

"Ne plus te croire" (2005)

Sound Service
www.samiressahbi.com 


[ma] Der marokkanische Musiker und Sänger Samir Essahbi legt mit "Ne plus te croire" [Sound Service] bereits die dritte CD mit seiner Gruppe Ra]i-X vor. Wie gewohnt viel tanzbare Musik, darunter auch einige gelungene Reinterpretationen traditioneller marokkanischer Melodien und eine eigenwillige Version von Mani Matters "Sidi Abdel Assar", auf berndeutsch gesungen von Endo Anaconda.

 


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07/2005

Gustavo

"Pintame la casa!" (2005)
www.tavogus.com


[ma] Vor allem mit elektronischen Mitteln arbeitet der von der Theatergruppe "Kolypan" her bekannte peruanische Multiinstrumentalist Gustavo Nanez auf seiner ersten Solo-CD 2Pintame la casa". Urbane Töne zwischen verschiedenen Welten und Stilen von Bolero bis Rap, ein stark von kubanischer Musik beeinflusster Gesang und überraschen arrangierte Stücke: Gustavo verarbeitet Erfahrungen aus seiner über 15-jährigen Musikerkarriere und führt uns gegen Ende der CD gar zu seinen Anfängen in der Rockszene Limas zurück.

 


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05/2005

King Kora

"Bundung"

RecRec (2005)
www.kingkora.com


[ma] Die westafrikanisch-schweizerische Gruppe King Kora legt mit ihrer CD Bundung [RecRec] bereits ihr zweites Album vor. Groovige Musik des Sängers und Koraspielers Lamin Jobarteh, hinterlegt mit satten Bläsersätzen von Roger Greipl, gewürzt mit illustren Gästen: der Berner Rapper Greis, die Soul- und Reggaesängerinnen Namusoke und Alina Amuri sowie Maciré Sylla aus Guinea.

 


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05/2005

Kamilya Jubran & Werner Hasler

"Wameedd" (2005)
www.kamilyajubran.com


[ma] Experimentelle Klänge sind auf der neuen CD Wameedd (W&K001) der palästinensischen Sängerin Kamilya Jubran zu hören, welche sie zusammen mit dem Berner Elektronikmusiker Werner Hasler produziert hat. Die eindringliche Stimme Kamilyas und ihr subtiles Oud-Spiel verweben sich mit elektronischen Loops und sphärischen Klängen, eine Musik abseits von gesicherten Pfaden.

 


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