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Archiv Artikel
28.06.2012

Ungehörtes aus Bhutan

[jk] Nahezu 100% aller Menschen waren noch nie im Himalaya-Staat Bhutan. Und nahezu 100% aller Einwohner Bhutans waren noch nie im Ausland. Da ist es wahrlich eine Weltpremiere, dass eine Gruppe von Mönchen aus dem Kloster Phunakha die Heimat verlässt und in die Schweiz an den Sarner-See reist, um am Obwald-Festival zu singen. Zur Grundidee des Festivals gehört es, dass urige Musik aus irgendeiner Weltregion und die Volksmusiken der Schweiz aufeinander treffen, sich zuhören, vielleicht zusammen tönen. So hatte Initiator Martin Hess in den letzten Jahren MusikerInnen aus Sansibar, Vietnam, Mali oder der Bretagne in die Innerschweiz gebracht.

 

Die Stimme hat seit jeher den direktesten Draht zu unseren Empfindungen und Gefühlen, und kann diese auch am treffendsten ausdrücken. Es ist erstaunlich, wie der Gebrauch der Stimme sowohl im Alltag wie in der Religion in allen Kulturen ähnliche Entwicklungen erlebt hat. Es wird z.B. auf der ganzen Welt irgendwie gejodelt, nicht nur in den Alpenländern. In unsere Alpenlandschaft ist die Tradition des Betrufs entstanden, des gesungenen, abendlichen Danks an Gott und die Natur. Gerade in den Bergen, wo der Ton auch gerne mit seinem Echo spielt, haben die durch Worte rhythmisierten und aus wenigen Tönen bestehenden Melodien etwas Liturgisches. Betruf und buddhistische Mantras – so weit liegen die Welten nicht auseinander. Wer dies live erleben möchte, sollte allerdings Beziehungen zu jemandem aus der Gegend haben, denn das Festival ist praktisch ausverkauft.

 
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