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Bücher 2017

Der Ort, an dem die Reise endet - Yvonne Adhiambo Owuor
Aus dem Englischen von Simone Jakob. Dumont Buchverlag, 512 Seiten

 

Kenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Ajanys Mutter flieht von Wut und Trauer erfüllt in die Wildnis. Und ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen. Yvonne Adhiambo Owuor erzählt in einer Sprache voller Kraft und Intensität auch eine Geschichte von universeller Dringlichkeit – von Macht und Täuschung, von unerwiderter Liebe und dem unbeirrbaren Willen zum Überleben.

 

Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Kenia geboren. 2003 wurde eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. «Der Ort, an dem die Reise endet» ist ihr erster Roman, für den sie 2015 den Jomo Kenyatta Prize for Literature erhalten hat. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi.

 

 

Double Negative - Ivan Vladislavić
Aus dem Englischen von Thomas Brückner. A1 Verlag, 256 Seiten

 

Der junge Neville Lister begleitet den berühmten Fotografen Saul Auerbach für einen Tag, um eine Lektion fürs Leben zu lernen. Auf einem Hügel über Johannesburg wählen sie sich drei Häuser aus und beschließen, auf der Suche nach einer Geschichte an ihre Türen zu klopfen, aber schon bald schwindet das Tageslicht. Auerbachs Bilder der ersten beiden Häuser werden klassische Portraits. Jahre später kehrt Lister in das Post-Apartheid-Südafrika zurück und sucht das dritte Haus. Johannesburg hat sich fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. «Double Negative» fängt das gewöhnliche Leben von Neville Lister während der außergewöhnlichen Revolution Südafrikas ein. Ivan Vladislavić ist ein genauer Erzähler der Wirklichkeit, die ihn umgibt, und weiß diese differenziert und mit höchster sprachlicher Eleganz in poetische Bilder umzusetzen.

 

Ivan Vladislavić wurde 1957 in Pretoria geboren und lebt seit Anfang der siebziger Jahre in Johannesburg. Er studierte afrikaanische und englische Literatur und arbeitet heute als freier Lektor und Schriftsteller. Er gab Werke zu zeitgenössischer Kunst und Architektur heraus, schrieb Texte für Bücher der Fotografen
David Goldblatt und Roger Palmer und verfasste Essays, Romane und Erzählungen.

 

 

 

Was das Meer ihnen vorschlug -  Tomás González

Aus dem Spanischen von Rainer und Peter Schultze-Kraft. Mareverlag, 160 Seiten.

 

Als nichtsnutzige Versager betrachtet der misanthropische Hotelbesitzer seine fast erwachsenen Zwillingssöhne Mario und Javier. Nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben, bringen die beiden dem herrischen Vater ihrerseits lang gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau ihre Mutter krank gemacht. Eines Nachmittags begeben sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See. Doch vor der karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen. Als ihr Motorboot in Seenot gerät und der Vater plötzlich über Bord geht, erkennen die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist. In siebenundzwanzig vielstimmigen Kapiteln schildert Tomás González die schicksalsträchtigen Stunden, in denen zwei Brüder eine Entscheidung über Leben und Tod fällen müssen.

 

Tomás González wurde 1950 in Medellín geboren. Er studierte Philosophie in Bogotá und begann in den achtziger Jahren mit dem Schreiben von Erzählungen, Romanen und Gedichten, von denen viele ins Deutsche übertragen worden sind. González zählt zu den wichtigsten kolumbianischen Autoren der Gegenwart.

 

 

 

 

Der letzte Granatapfel - Bachtyar Ali

Aus dem Kurdischen (Sorani) von Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim. Unionsverlag, 352 Seiten

 

An Bord eines Bootes, das ihn zusammen mit anderen Flüchtlingen übers Mittelmeer in den Westen bringen soll, erzählt Muzafari Subhdam seine Geschichte. Selbst ein hochrangiger Peschmerga, rettete er dem legendären kurdischen Revolutionsführer einst das Leben, als sie von Truppen des Regimes umstellt waren. Er aber geriet in 21-jährige Gefangenschaft, mitten in der Wüste. Wieder in Freiheit, begibt er sich auf eine Reise durch das, was aus seinem Land geworden ist. Eine Reise durch Geschichten, Geheimnisse und zu Personen, die ihm dabei helfen, seinen verschollenen Sohn zu finden. Dieser Roman von scharfer Aktualität und berückender Poesie erzählt von verwunschenen Schlössern, von Honigsammlern, von Kindern auf Schlachtfeldern, von den weißen Schwestern – und von einem Jungen mit Namen «Glasherz», der von einer Welt träumt, in der alles durchsichtig und rein ist.

 

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologiestudium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Bachtyar Ali, der in Kurdistan Kultstatus genießt, lebt seit Mitte der neunziger Jahre in Deutschland.

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