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Der Andere Literaturklub

 Neue Bücher 2008


Abdourahman A. Waberi

In den Vereinigten Staaten von Afrika (Aux États-Unis d’Afrique)
Roman, aus dem Französischen von Katja Meintel (rd. 160 Seiten) 

Eine satirische Parabel über eine ganz andere Weltordnung: Die Vereinigten Staaten von Afrika genießen unermesslichen Reichtum und Komfort, Megastädte entstehen, und die afrikanischen Wissenschaftler und Künstler lassen sich weltweit feiern, derweil das zerrüttete „Euramerika“ im Notstand versinkt und die Weißhäutigen in Massen ins Exils getrieben werden. Die prosperierende afrikanische Staatengemeinschaft zwingt ihre wirtschaftliche, militärische und kulturelle Vorherrschaft den anderen Kontinenten auf, bezahlt wird weltweit mit der AfriCard. 
Protagonistin dieser außergewöhnlichen Politsatire ist Maya, eine junge Malerin. In der Normandie geboren und von einem gut meinenden Paar in Asmara adoptiert, begibt sie sich nach dem Tod der Adoptivmutter auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Sie findet ihre leibliche Mutter in einem Slum in der Normandie, kehrt aber dem Elend schnell wieder den Rücken. Die Eindrücke ihrer Reise setzt sie jedoch künstlerisch um und macht den Exotismus zu ihrem Markenzeichen. 

Abdourahman Waberi wurde 1965 in Djibouti geboren und lebt heute in der Normandie. Er gilt als Nationalschriftsteller Djiboutis. Bislang hat er neun Bücher geschrieben, die in acht Ländern erschienen sind. Die französische Zeitschrift Lire zählt ihn zu den 50 wichtigsten und einflussreichsten zeitgenössischen Autoren.

 

Wendy Guerra

Alle gehen fort (Todos se van)
Roman, aus dem Spanischen von Peter Tremp (rd. 280 Seiten)

Im ersten Teil dieses Tagebuchromans berichtet die neunjährige Nieve vom Leben mit ihrer „Hippie-Mutter“ und deren schwedischen Partner. Als jedoch ihr alkoholkranker Vater das Sorgerecht zugesprochen bekommt, beginnt für Nieve ein Alptraum aus Hunger, Schlägen und Vernachlässigung von ihr – und das ist charakteristisch für das Buch – in einer äußerst distanzierten, dadurch aber umso eindringlicheren Sprache beschrieben.
Sechs Jahre später ist das Tagebuch noch immer Nieves bester Freund. Mittlerweile lebt sie wieder mit ihrer Mutter in einem Haus in der Hauptstadt, das Treffpunkt vieler Künstler ist. Nieve jedoch hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Ohne zu urteilen reflektiert sie über das alltägliche Leben im Havanna der ausgehenden 80er, als z. B. eine Musiksendung abgebrochen wird, weil der Sänger „wohl irgendwie das Wort ‚Freiheit’ auf eine Weise gesagt hat, die nicht gefällt“.

Wendy Guerra (*1970 in Havanna) studierte Film-, Radio- und Fernsehwissenschaften und ist in Kuba hauptsächlich als Schauspielerin und Lyrikerin bekannt. Sie gewann mit Todos se van den Premio de Novela Bruguera 2006. Der erfolgreiche katalanische Autor und Juror für diesen Preis Eduardo Mendoza lobte die „Authentizität und Ehrlichkeit des Buches“.

 

Raúl Argemí

Chamäleon Cacho (Penúltima nombre de guerra)
Roman, aus dem Spanischen von Susanna Mende (rd. 160 Seiten)

Ein Krankenhaus, irgendwo in der tiefsten argentinischen Provinz. Manuel Carraspique, Journalist aus Buenos Aires, wacht aus dem Koma auf: Autounfall, Beifahrer tot, Amnesie, er weiß nur noch seinen Namen und Beruf. Im Nebenbett liegt, bis zur Unkenntlichkeit in Verbandsstoff eingewickelt, Prudencio Márquez, ein irrer indianischer Exorzist. In halluzinierenden Gesprächen erzählt Márquez von Cacho, genannt das Chamäleon, der nach Bedarf in jede Rolle und Identität schlüpfen kann: Dealer, Priester, Arzt, oder auch gefürchteter Exekutor namens Teniente Cacho. Doch wer ist Cacho wirklich? In einem atemberaubenden Verwirrspiel verwischen sich die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Erinnern und Vergessen, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse.

Der argentinische Autor Raúl Argemí (*1946) verbrachte während der Militärdiktatur zehn Jahre im Gefängnis. Nach seiner Freilassung arbeitete er als Redakteur in Patagonien, seit 2000 lebt er in Spanien. Für Kriegsname „Chamäleon“, seinen dritten Roman, erhielt er den Premio Dashiell Hammett und den Premio Luis Berenguer.

 

José Eduardo Agualusa

Das Lachen des Geckos (O Vendedor des Passados)
Roman, aus dem Portugiesischen von Michael Kegler, 184 Seiten 

Félix Ventura geht einer ungewöhnlichen Tätigkeit nach: Er handelt mit erfundenen Vergangenheiten. Seine Kunden sind Minister, Landbesitzer und Generäle, Menschen der neuen angolanischen Oberschicht. Sie alle blicken in eine gesicherte Zukunft, was ihnen jedoch fehlt, ist eine glanzvolle Vergangenheit. Ventura erstellt neue Stammbäume für sie, beliefert sie mit Fotografien von illustren Vorfahren und versorgt sie mit glücklichen Erinnerungen.
Doch eines Nachts kommt ein Fremder in sein Haus, dem er eine neue angolanische Identität verschaffen soll. Venturas Schöpfung auf den Namen José Buchmann beginnt den Fremden so sehr zu fesseln, dass er sich zunehmend mit der erfundenen Person identifiziert und sich auf die Suche nach den Figuren seiner gekauften Vergangenheit begibt.
Agualusas wendiger Erzähler nimmt uns mit auf eine spannende und poetische Reise durch die wechselnden Landschaften von Erinnerung und Geschichte, in eine Welt, in der die Wahrheit sich von einem Moment zum anderen verändert.
José Eduardo Agualusa, geboren 1960 in Huambo/Angola, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Er veröffentlichte Gedichte, Erzählungen und Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

"Das Lachen des Geckos" erscheint an Stelle des im Jahresprogramm angekündigten Romans "Roter Staub" von Ma Jian, dessen Erscheinen vom Verlag auf Frühjahr 2009 verschoben worden ist.

 

[Prospekt 2008 als pdf]      [Programm frühere Jahre] 

 

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